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Planlos ins Abitur

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Zwölf Jahre lang habe ich mich auf die große Freiheit nach dem Abitur gefreut. Doch steht man kurz vor dem Abschluss, kommen Einwände und Bedenken: Im vollgepackten Schulalltag habe ich komplett vergessen, darüber nachzudenken, was für konkrete Berufspläne ich nach der Schule habe. So stehe ich nun hier und weiß nicht, was ich will.

Vielfältige Möglichkeiten

Und nein, ich bin kein Einzelfall. Vielen meiner Mitschülern geht es genauso, und unsere Planlosigkeit kommt nicht von irgendwo her, sondern hat viele verschiedene Gründe: Auf der einen Seite sind in unserer heutigen Zeit die vielfältigen Möglichkeiten zwar ein großer Vorteil, auf der anderen Seite jedoch auch ein riesiges Problem.

Früher konnte man entscheiden, ob man eine Ausbildung machen möchte oder die Uni besucht. BA-Studenten waren eher die Exoten. Doch heutzutage gibt es unendlich viele Möglichkeiten, bei A wie Ausbildung angefangen bis zum Z wie Zeit im Ausland gibt es die Qual der Wahl. Wie kann man da schon das Richtige finden?

Fluch und Segen

Auch das G8 trägt eine Mitschuld. Die einen bezeichnen es als Segen, die anderen eher als Fluch. Fakt ist, dass durch das G8 viele vor der Vollendung ihres 18. Lebensjahres die Schule verlassen. Mit Selbstbestimmung ist dann aber nichts. Unter 18 Jahren darf man sich nicht einmal ein eigenes Bankkonto einrichten, den Mietvertrag für die potenzielle Studenten-WG unterschreiben oder die Immatrikulation an der Uni eigenständig unterschreiben.

Auch das Planen der Auslandsaufenthalte wird für einige Schülerinnen und Schüler schwer, denn beispielsweise verlangen Organisationen von Freiwilligendiensten, dass ihre Teilnehmer vor der Ausreise im August bereits 18 Jahre alt sind.

Zudem bringt auch ein weiteres Lebensjahr eine geistige Reife und kann helfen, sich selbst besser kennenzulernen. Mein Mitschüler David Kühne (19) war zwischen der zehnten und elften Klasse in den USA und kann nur von Vorteilen sprechen: "Ich war für ein Jahr in Kansas, USA an einer Highschool mit einem riesigen Werkraum. Dort habe ich gelernt, mit Metall zu arbeiten und zu schweißen. Die Zeit hat mich viel selbstständiger gemacht und nun weiß ich auch, dass ich auf jeden Fall in die technische Richtung gehen möchte und werde vermutlich Maschinenbau studieren.“ 

Praktische Themen

Davids Aussage bringt mich zu unseren Unterrichtsinhalten. Vor allem seit der Oberstufe werden einem Dinge beigebracht, die mit dem Berufsleben wenig zu tun haben. Für welchen Beruf werde ich später einmal Gedichtinterpretationen in mehreren Sprachen schreiben müssen oder Stammfunktionen bilden können? Wäre es nicht sinnvoller, auch in Bereiche hineinzuschnuppern, die mit der späteren Berufswelt zu tun haben? Zwar gibt es vielfältige Entscheidungshilfen wie die Studienberatung, den Studieninfotag oder Online-Testverfahren. Jedoch geht es eher darum, im Inneren und ganz für sich selbst herauszufinden, was zu einem persönlich passt.

Zwar habe ich die richtige Entscheidung noch lange nicht getroffen, jedoch wird mich mein vorläufiger Zukunftsplan zunächst einmal weit weg von Hesse und Co. führen – sogar bis nach Südamerika. Ich werde erst einmal für ein Jahr nach Peru gehen und dort meinen Freiwilligendienst antreten – in der Hoffnung, abseits von unserer westlichen Welt eine Entscheidung treffen zu können.

Hintergrund

Über Ängste, G8 und dem stetigen Drang danach, die richtige Entscheidung für die eigene Zukunft zu treffen erzählen Jugendliche. Lara Walter macht dieses Jahr das Abitur und setzt sich mit den Gründen für die Planlosigkeit auseinander und Nina hat vor einem Jahr ihren Abschluss gemacht und studiert nun in Tübingen. Außerdem erzählen drei angehende Abiturienten was sie für Pläne nach dem Abschluss haben.

 

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