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Wo bleibt die Freizeit?

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Man doped sich mit Kaffee und büffelt die Nacht durch, lässt Partys sausen und steckt alles andere zurück. Alles für ein Ziel: ein möglichst gutes Abitur. Sogar samstags drückt man die Schulbank und denkt sich: „Nach den Prüfungen hole ich alles nach“. Dann kann man immer noch in den Urlaub fahren, endlich das Zimmer ausmisten und so lange schlafen, wie man will. Man kann in Ruhe die Wahl des Studiengangs angehen und sich vielleicht öfter im Schwimmbad blicken lassen. Auch die Bücher im Schrank warten sehnsüchtig darauf, gelesen zu werden. Und nach drei Monaten dauerchillen kann man sich dann erholt ins Uni-Leben stürzen. So viel zu meinem Plan.

 

"Ich kann nicht, ich muss arbeiten"

Doch irgendwie hat sich alles anders entwickelt. Statt im Urlaub oder im Freizeitpark sitze ich im Büro und arbeite. Schon eine Woche nach der letzten Prüfung habe ich mit einem Praktikum angefangen. Es ist zwar mein Traumberuf und ich kann mir auch keine schönere Arbeit vorstellen, aber alles was ich mir vorgenommen habe, kann ich jetzt vergessen.– Zumindest vorerst für sieben Monate. Fast täglich melden sich Leute und haben verlockende Vorschläge, was man unternehmen könnte. Die Antwort ist jedesmal dieselbe: „Ich kann nicht, ich muss arbeiten.“



Immer nachzugeben und abends wegzugehen ist auch nicht zu empfehlen. Denn die Quittung bekommt man am nächsten Tag in der Arbeit, wenn man total verpennt nichts gebacken bekommt und für alles doppelt so lange braucht. Wenn mir das Arbeiten nicht so viel Spaß machen würde, hätte ich ernsthafte Zweifel, ob ich mich gegen Ende meiner Schulzeit so reingehängt habe, nur um jetzt noch weniger Zeit zu haben als im Schüler-Alltag.

 

Luxusprobleme

Damals konnte man sich mittags spontan treffen und sich denken: „Morgen haben wir sowieso nur langweilige Fächer, da passt sowieso niemand auf“. Jetzt hat man Termine, an die man sich halten muss, und um die man sich besser nicht herummogelt. Auch der Wecker fragt morgens nicht nach Befindlichkeiten und schmeisst einen aus dem Bett. Aber nun ja, ich habe es mir so ausgesucht, also ziehe ich es auch durch.



Ich kriege aber eine Krise, wenn sich Abiturienten beschweren, dass sie viel zu viel Zeit haben und überhaupt nicht wissen, was sie machen sollen. Solche Probleme hätte ich auch mal wieder gerne. Von manchen habe ich schon mitbekommen, wie sie sich sehnsüchtig etwas zu tun wünschen. Sie vermissen einen geregelten Alltag, wo ihnen gesagt wird, was sie zu tun haben. Unbegreiflich! Jedenfalls würden mir tausend Dinge einfallen, die ich gerne machen würde, wenn ich ganz viel Zeit hätte, die ich mir auch noch selbst einteilen könnte. Doch das muss noch ein Weilchen warten. Vermutlich will man immer das, was man nicht hat.

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