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Meckern im Schutz der Anonymität?

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Die Grundidee von spickmich.de zur Lehrerbewertung mag ja gut gemeint sein. Führt die anonyme Bewertung im Internet aber tatsächlich zu einem fairen und loyalen Miteinander im Klassenzimmer? Ist es in der Praxis nicht eher so, dass frustrierte Schüler die Möglichkeit der Anonymität nutzen, um mit negativer Kritik "Dampf" ab zu lassen und dabei der Sympathie mehr Gewicht geben als sachlichen Gesichtspunkten? Sind viele positive Bewertungen gar nicht ehrlich gemeint und nur deshalb positiv, weil Kritiker Ärger mit den Lehrern befürchten?

 

Anonymität im Netz hilft keinem

Es ist doch das Normalste von der Welt, dass einem nicht jeder Mensch gleich sympathisch ist und Ansichten und Meinungen auseinander gehen. Sicher gibt es hin und wieder berechtigte Kritik am Unterricht und an Lehrern. Klar ist auch, dass zwischen den Ansichten von Lehrern und Schülern immer Welten liegen werden. Aber ein Grund, deshalb nicht sachlich und kompetent miteinander umzugehen, ist das eigentlich nicht.

 

Welche Veränderungen sollen denn eintreten, wenn sich die Lehrer der Kritik nicht stellen können? Zwischen Kritikpunkten und Sichtweisen von Fünftklässern und Oberstufenschülern gibt es, altersbedingt, zwangsläufig unterschiedliche Kriterien. Berechtigte Kritik müssen Lehrer natürlich schon aushalten und sollten sich die auch zu Herzen nehmen. Und: Das was tatsächlich im Argen liegt, sollte auch anders oder besser gemacht werden. Anonymität im Netz wird uns aber wohl in keinem Lebensbereich weiterhelfen, weder in der Schule, privat noch im Berufsleben.

 

Feedbackbögen sind die bessere Alternative

Dass es durchaus berechtigte Kritik an Lehrern gibt, zeigen die Feedbackbögen, die inzwischen viele Schulen entwickelt haben. Auch hierbei bleibt die Anonymität gewahrt. Für Schüler, die ihr Anliegen nicht offen aussprechen können oder wollen sind diese Bögen sicher hilfreicher als das Internet. Bleibt zu hoffen, dass diese Bögen auch von vielen Lehrern eingesetzt werden und zu sinnvollen Gesprächen über Ansprüche und Erwartungen führen. Nur so erfahren beide Parteien, wer wie mit was zurecht kommt.

 

In ganz schwierigen Situationen und berechtigter Unzufriedenheit ist ein Beratungslehrer für Schüler sicher eine bessere Anlaufstelle als das anonyme Frustablassen im Netz. Eine Extremsituation, die diesen Schritt überhaupt erforderlich macht, braucht auch keine Anonymität mehr. Dann können gravierende Veränderungen sowieso nur noch erreicht werden, wenn man Nägel mit Köpfen macht.

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