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Für den Klassenlehrer eine sechs?

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Wo liegen die Grenzen des Rechts auf freie Meinungsäußerung und des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung – und welches Grundrecht ist im Einzelfall höher zu bewerten? Mit dieser Frage beschäftigt sich am heutigen Dienstag, 23. Juni, der Bundesgerichtshof. Er verhandelt einen Fall, der in den vergangenen zwei Jahren mehrfach durch die Medien ging: Die Klage einer Lehrerin gegen das Internetportal spickmich.de, auf dem Schüler ihre Lehrer benoten können.

 

Auch Sympathien werden bewertet

Mit Namensnennung erhalten Lehrer dort in verschiedenen Kategorien Schulnoten von 1 bis 6. Dabei geht es um Bewertungen beruflicher Fähigkeiten wie "fachlich kompetent", "gut vorbereitet" und "faire Noten", aber auch um Einschätzungen persönlicher Seiten wie "cool und witzig", "menschlich" oder "beliebt". Aus dem Durchschnitt der anonymen Bewertungen wird eine Gesamtnote errechnet.



Die Gymnasiallehrerin aus Nordrhein-Westfalen bekam für ihr Fach Deutsch eine Gesamtnote von 4,3. Mit ihrer Klage will sie erreichen, dass Daten wie ihr Name und ihre Unterrichtsfächer gelöscht werden. Nachdem sie im Jahr 2007 mit einer einstweiligen Verfügung vor dem Landgericht Köln und dem Oberlandesgericht Köln gescheitert war, blieb sie im vergangenen Jahr auch im Hauptsacheverfahren erfolglos.

Ein Ordner für ein ganzes Lehrerleben

Viel Wind um nichts oder berechtigter Protest - diese Frage stellt sich hier. Hätte die Lehrerin es einfach bei der Benotung belassen und auf einen Zwergenaufstand verzichtet, hätte wahrscheinlich kaum einer von der schlechten Bewertung Wind bekommen. Andererseits: Alles muss man sich schließlich auch nicht gefallen lassen. Doch wieso sollten die Schüler den Spieß nicht mal umdrehen dürfen? Schließlich genießen die Lehrer nach wie vor eine unantastbare Autorität. Bekommen sie einmal die Erlaubnis zum Unterrichten erteilt, genießen sie meist für den Rest ihres Lebens die absolute Alleinherrschung im Klassenzimmer.



Da hat wohl jede Schule seine Pappenheimer. Nur zu gut erinnere ich mich an meinen Erdkundelehrer, der für seinen Unterricht Jahr für Jahr nichts weiter als einen vergilbten Ordner benötigte, den er vermutlich in seiner Zeit als Referendar vor gefühlten 100 Jahren einmal angelegt hatte. Dabei schien es ihn wohl nicht zu stören, uns stets die mehr oder weniger "aktuellen" Zahlen und Fakten zum Arbeitsmarkt aus den 70er-Jahren oder die brandneuen Erkenntnisse zum Bevölkerungswachstum aus den 80ern zu präsentieren. 20 Jahre hin oder her, man soll ja schließlich nicht kleinlich sein. Heute ist der gute Mann in Rente - und kam mit seiner Unlust in Sachen Vorbereitung und Engagement stets prima durch. Das hätte vielleicht anders ausgesehen, hätte er gewusst, dass seine Resignation keineswegs akzeptiert und ignoriert wird. Was spricht also dagegen, den Lehrern auch mal ein wenig Dampf unterm Hintern zu machen?

Interaktion im Klassenzimmer

Ich sehe in Portalen wie spickmich.de kein Problem. Ein guter Lehrer verfällt nämlich nicht kurz nach dem Referendariat in einen Winterschlaf, aus dem er erst wieder mit der Pensionierung aufwacht und kümmert sich nicht die Bohne um die Belange seiner Schüler, sondern ist stets an einer Rückmeldung und der Verbesserung seines Unterrichts interessiert - und hat somit keine schlechte Bewertung zu befürchten. Wird Schule und Lernen zunehmends zur Interaktion, profitieren beide Seiten davon. Schüler bekommen eine Stimme, Lehrer ein Feedback. Verhalten sich beide Seiten fair und loyal, ist die Lehrerbewertung im Internet eine Chance auf mehr Miteinander im Klassenzimmer. Außerdem sollte man das Ganze auch nicht so eng sehen - eine schlechte Bewertung hat schließlich keine Konsequenzen.



Was denkt ihr über Portale, in denen ihr eure Lehrer bewerten könnt? Nutzt ihr solche Seiten und habt sogar schon bemerkt, dass bewertete Lehrer sich jetzt mehr um einen guten Unterricht bemühen? Schreibt einen Kommentar zum Thema!

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