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Motivierende Mohrenköpfe

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Vor Kurzem hatte unsere Deutschlehrerin eine süße Überraschung für uns: Sie kam mit einer Packung Mohrenköpfe in den Unterricht. Erstaunt fragten wir, ob die Süßigkeiten für uns seien und bekamen ein "Ja, ich denke die haben Sie sich verdient." als Antwort. "Warum?" wollten wir wissen. Wir erfuhren, dass unsere Lehrerin total begeistert von unserer Mitarbeit ist. Und es toll findet, was für gute Gespräche bei der Lektürenbesprechung zu Bernhard Schlinks "Der Vorleser" entstanden sind.

Auch meinte sie, dass wir ihr völlig neue Sichtweisen und Argumente präsentiert hätten. Sie hielt also eine kleine Lobeshymne während wir zufrieden an unseren Mohrenköpfen knabberten. Und zufrieden waren wir wirklich. Sehr zufrieden sogar. Endlich wurden wir mal gelobt, anstatt immer nur kritisiert. Denn eigentlich sind wir ernüchternde Worte eher gewöhnt. Zwar nicht von unsrer Mohrenkopfspendenden Deutschlehrerin, dafür aber von genug anderen Lehrkörpern. Nach deren Äußerungen haben wir keine Ahnung, befinden uns auf dem Niveau eines Hauptschülers, sind faul und werden höchstens vier Wochen auf der Uni überleben. Sehr deprimierend diese Kritik, oder? Manche mögen nun mit dem Argument kommen, dass das Leben kein Ponyhof ist und man sich an Aussagen dieser Art gewöhnen muss. Ich kann dazu nur sagen: Wir haben uns inzwischen daran gewöhnt. Und freuen uns deshalb umso mehr über ein paar lobende Worte, die uns das Gefühl geben, dass wir eben doch nicht so dumm sind wie uns oft gesagt wird.

Kritik kann durchaus etwas Sinnvolles sein, dass Veränderungen schafft und zu neuen Denkweisen führt, aber nur wenn sie angemessen und begründet ist. Was bringt es uns Schülern, wenn wir ständig vorgehalten bekommen, das wir "Absolut keine Ahnung"  haben? Die Aufforderung ist klar: Wir müssen noch mehr lernen, als wir sowieso schon tun. Aber wäre es nicht auch Aufgabe des Lehrers uns wenigstens ein bisschen beim Ahnung bekommen zu helfen? Oder selbst einmal seinen Unterrichtsstil kritisch zu hinterfragen, wenn davon nur sehr wenig bei den Schülern hängen bleibt?

Genauso ist es auch leichter, der Klasse bei einer miserabel ausgefallenen Klausur durch die Bank weg Faulheit vorzuwerfen, anstatt sich zu fragen, ob das Niveau der Arbeit nicht zu hoch und vieles vom Stoff nicht richtig besprochen war. Ich will damit nicht sagen, dass wir die Lehrer immer für unsere Leistungen verantwortlich machen können, denn wir sind schließlich alt genug um zu entscheiden, ob und wie viel wir lernen. Aber Hilfe oder sogar ein Lob sind effektiver als demotivierende Vorhaltungen. Unsere Deutschlehrerin will übrigens nicht, dass wir Abi machen, weil sie uns noch länger unterrichten will. Vielleicht hat sie ja Glück und die ein oder andere Prophezeiung eines Mitkollegen bewahrheitet sich.

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