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Das Problem mit den Charts

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Wie wohl so ziemlich jeder Mensch würde auch ich behaupten, dass ich einen ziemlich guten Musikgeschmack habe. Den habe ich zwar zu 90 Prozent von meinen Eltern geklaut, aber wenigstens führt das dazu, dass unter meinen Lieblingsbands Fleetwood Mac, Pink Floyd, Led Zeppelin, The Doors, die Beatles, die Rolling Stones, die Smiths und viele weitere sind – also Songs aus den 60er, 70er und 80er Jahren. Ich habe eben schon sehr lange keine aktuellen Charts mehr gehört. Beim Duschen oder Autofahren laufen meine eigenen Playlists. Und das liegt nicht daran, dass ich moderne Musik per se ablehne oder mich dadurch besonders alternativ fühle. Sondern dass ich ein riesiges Problem mit moderner Mainstream-Musik habe.

Natürlich höre ich viel neue Musik. Die Arctic Monkeys, die Strokes oder The Kooks ergänzen die Liste meiner Favoriten, und Lana del Rey ist meine Lieblingskünstlerin überhaupt. Und von denen kann man nicht mehr behaupten, sie wären noch auf irgendeine Weise unbekannt oder „underground“. Das Problem liegt darin, dass deren Musik sehr selten bis gar nie im Radio läuft. Und wenn, dann kommt sie nur in den USA in die Charts. Damit wird diesen Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform genommen, die andernfalls einen großen Beitrag zu ihrer Popularität leisten könnte. Stattdessen landen in den Charts oft überproduzierte Songs von 0815-Sängern und -Sängerinnen, die ihre Lieder weder selbst schreiben, noch irgendeinen Wiedererkennungswert liefern. Man könnte sie gegen andere Songs ähnlicher Art austauschen, und kein Mensch würde es merken. Am Ende bedeutet das: Fast alles hört sich gleich an.

Popmusik hat ihren schlechten Ruf nicht verdient

Ich finde das deshalb nervig, weil Popmusik an sich ihren schlechten Ruf nicht verdient hat. Schließlich gilt sogar David Bowie, einer der gefeiertsten Musiker überhaupt und mein persönlicher Liebling, als Popmusiker. Und die schon genannten Bands liefen früher (und teilweise immer noch) ständig im Radio. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass Pop in den vergangenen Jahrzehnten einfach immer anspruchsloser geworden ist. Das klingt vielleicht stark verallgemeinert, doch Studien bestätigen, dass sich sowohl die Komplexität des Klangs als auch die lyrische Intelligenz moderner Musik verringert hat. Stattdessen folgen viele Chartkünstlerinnen und -künstler den gleichen Mustern und kreieren damit immer weniger „gute“ Songs. Natürlich gibt es auch dabei Ausnahmen; Künstlerinnen wie Lady Gaga oder Beyoncé landen ständig in den Charts, und die werden von allen Seiten für ihre Musik mit Lob überschüttet.

Klar, Musikgeschmack kann man nicht bewerten und Songs nicht einfach so als „gut“ oder „schlecht“ betiteln. Allerdings führt die Musik im Radio in den meisten Fällen dazu, dass ich es direkt wieder ausschalten will. Und deshalb ziehe ich mich lieber in die Musik der Vergangenheit zurück. Denn früher war schließlich alles besser. Was in meinen Augen - zumindest bezüglich der Musik - tatsächlich stimmt. Irgendwie waren die Songs der 60er, 70er und 80er viel anspruchsvoller und abwechslungsreicher. Sowohl melodisch als auch textlich. Abgesehen vielleicht von „Bicycle Race“ von Queen, aber das ist eine Ausnahme lyrischer Aussagekraft. Dafür ist es ziemlich seltsam. Damals war Experimentierfreude eben eher ein Erfolgsrezept.

Mehr Zeit für anspruchsvollere Musik

Vielleicht liegt das Problem auch einfach in unserer Gesellschaft, die von allen Seiten täglich über Streaming-Dienste mit neuer Musik bombardiert wird. Während man früher eine Schallplatte hatte, die man bis zum absoluten Verschleiß gehört hat, kann man heute in Sekundenschnelle tausende Songs aufrufen. Und auch die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen hat sich verkürzt. Zehnminütige Gitarrensolos sind für die breite Masse nicht mehr ganz so attraktiv wie früher. Sorry, Pink Floyd.

Ich wünschte einfach, die Radiosender würden sich mehr Gedanken darüber machen, was sie spielen und wir uns mehr Zeit für anspruchsvollere Musik nehmen. Im Endeffekt gibt es so viele moderne Künstler und Künstlerinnen, die aus dem Raster des 0815-Pops rausfallen und noch viel mehr alte Musik, die es wert ist, gehört zu werden.

"Endlich mal gute Musik": Hier kommt ihr zu meiner Playlist.

 

Immer montags regt sich Amelie über etwas auf, das sie persönlich erlebt.

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