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Hinterfragt, was ihr sagt

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Nein, „behindert“ und „schwul“ sind keine Beleidigungen. Sie werden aber oft genau als solche benutzt. Und dabei sind meistens keine Menschen gemeint, die tatsächlich homosexuell sind oder eine Behinderung haben. Stattdessen werden sie wahllos im Alltag genutzt, um negative Eigenschaften einer Person oder Ereignisse zu beschreiben. Warum fällt es manchen Leuten so schwer, einzelne, für betroffene Menschen oft zutiefst verletzende Begriffe aus ihrem Wortschatz zu streichen?

Politisch korrekte Sprache wird seit Jahren in den Medien breitgetreten - und das ist auch gut so. Dass man mittlerweile Sinti und Roma sagt oder dass der Begriff Rasse im deutschsprachigen Raum mehr als problematisch ist, wissen die meisten Menschen und es wird im Alltag mehr oder -häufiger- weniger gut umgesetzt. Doch immerhin gibt es in unserer Gesellschaft bei diesen Wörtern ein bestimmtes Bewusstsein, das bei anderen Begriffen fehlt.

Reaktion

Laut dem Jahresbericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes gab es 2020 über 6000 Anfragen wegen Diskriminierung. 41 Prozent der Betroffenen wurden aufgrund ihrer Behinderung diskriminiert, 33 Prozent wegen ihres ethnischen Hintergrunds und viele weitere auf Grundlage anderer Merkmale. Immer wieder fällt mir auf, wie oft politisch unkorrekte Begriffe trotzdem verwendet werden. Vor allem von Personen in meiner Altersklasse, von denen ich eigentlich mehr political correctness und Toleranz erwarten würde. Ich bin der Meinung, dass wir ein Bewusstsein für alle diskriminierenden Formulierungen brauchen. Dann kann jeder Mensch für sich selbst entscheiden, wie unsensibel oder eben hoffentlich nicht er weiterhin mit Sprache umgeht.

Wenn ich Freunde und Bekannte darauf anspreche, weshalb sie solche Begriffe immer noch verwenden, stoße ich immer auf dieselbe Reaktion. Erst reagieren sie beschämt, dann abwehrend. Standardgemäß kommen Sätze wie: „Ich weiß ja selbst, dass man es nicht sagen soll“, aber selten folgt echte Einsicht. Die wenigsten verstehen wirklich, warum bestimmte Begriffe zu verletzend sind, um sie weiterhin zu verwenden. Und wenn doch, kommt als nächstes die Frage nach Alternativen. Und die zu liefern, finde ich schwierig.

Nie witzig

Es gibt zahllose weitere ermüdende Beispiele, in welcher Form diskriminierende Sprache im Alltag vorkommt, die sich eigentlich immer an Minderheiten und marginalisierte Gruppen adressiert. Was allerdings die meisten Menschen mittlerweile wissen sollten, ist, dass Begriffe, die früher Teil des alltäglichen Sprachgebrauchs waren, es heute nicht zwangsläufig auch noch sein sollten. Und das gilt prinzipiell für alle Wörter, durch die sich andere angegriffen fühlen. Wenn der Rat der Sinti und Roma in Deutschland sagt, dass Sinti und Roma die richtige Bezeichnung ist, dann sollte das respektiert werden. Und wenn eine Person mit Behinderung den Gebrauch von „Spasti“ als verletzend empfindet, dann sollte das genauso beachtet werden. Denn was für manche nur ein dahergesagtes Wort ist, ist für andere Diskriminierung. Und Diskriminierung ist nie witzig.

Ich persönlich wäre dafür, dass Menschen nicht mehr aufgrund von Merkmalen, die sie selbst nicht beeinflussen können, benachteiligt werden. Für einige mag es vielleicht schwer sein, die eigene Sprache zu reflektieren und hoffentlich zu verändern, zumal niemand zu dieser Veränderung gezwungen werden kann. Für mich war es bei vielen Wörtern auch schwierig, schließlich hat man sich daran gewöhnt. Und manchmal kommen Ausrutscher trotzdem vor. Aber wenn es anderen Menschen hilft, dann sollte es uns das doch allemal wert sein.

 

Immer montags regt sich Amelie über etwas auf, das sie persönlich erlebt.

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