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Wir brauchen in Heilbronn mehr Second-Hand-Shops

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Ich kann es ja zugeben: Ich finde, Heilbronn hat sich in den vergangenen Jahren wirklich zum Positiven entwickelt. Vor allem in der Innenstadt fällt mir das immer häufiger auf. Restaurants, Bars und sogar der eine oder andere brauchbare Laden. Klar, das Shopping-Angebot ist ausbaufähig, aber ich will mich nicht beklagen. Doch es gibt eine Sache, die beim Bummeln durch Städte wie Stuttgart oder Heidelberg im Vergleich zu Heilbronn auffällt: Es gibt hier nur wenige Second-Hand-Shops. Und ich bin der Meinung, dass sich das schnell ändern sollte.

Um einiges nachhaltiger

Eigentlich muss man das gar nicht extra erklären, aber: Second-Hand-Shopping ist um einiges nachhaltiger als Neuware zu kaufen. Dabei spart man Wasser, Verpackungsmüll und vor allem viel CO2. Eine Studie des Online-Gebrauchtwaren-Unternehmens Momox zeigt, dass 89 Prozent der Vintage-Liebhaber Dinge aus zweiter Hand deshalb kaufen, weil es besser für das Klima ist.

Aber mal ganz abgesehen vom Aspekt der Nachhaltigkeit. Second-Hand-Shopping hat viele weitere Vorteile, beispielsweise ist das Preis-Leistungs-Verhältnis viel besser. Generell ist gebrauchte Kleidung meist günstiger, dafür aber qualitativ hochwertiger. Im Gegensatz zu billig produzierter Fast-Fashion-Ware aus schlechten Materialien ist das nicht schlecht, wenn man möchte, dass die Kleidungsstücke länger als drei Monate halten. Und den eigenen Style nicht an Tik-Tok-Mikrotrends festmacht.

Ziemlich cool

Außerdem ist Vintage-Kleidung aktuell total im Trend. Und der hält schon um einiges länger an als so genannte Mikrotrends. Denn schon seit der Veröffentlichung von Macklemores Song „Thrift Shop“ im Jahr 2012 müssten die Menschen wissen, dass Second-Hand wieder in ist. Die meisten Jugendlichen, die ich kenne, gehen regelmäßig „thrift-shoppen“. Und auch ich würde lügen, wenn ich behaupte, mein halber Kleiderschrank bestünde nicht aus 80er-Jahre-Hawaii-Hemden. Aber gerade das ist im Moment eben ziemlich cool.   

 

 

Zudem sind Klamotten der Vergangenheit eigentlich schon immer in und sollten es, wenn man Mode-Experten und -Expertinnen vertraut, auch weiterhin bleiben. Und ganz ehrlich: Wenn ein Trend dazu führt, dass wir weniger Fast-Fashion kaufen und nachhaltiger konsumieren, dann ist das für mich auch ok. Außerdem geht aus der oben genannten Studie auch hervor, dass immerhin nur sechs Prozent der Befragten Second-Hand kaufen, weil es im Trend liegt. Glücklicherweise.

Natürlich muss man Second-Hand-Läden auch kritisch betrachten. Denn was für die einen Privileg ist, ist für die anderen Alltag- und oft nicht nur positiv. Deshalb sollte man aufpassen, wo man einkauft und vor allem: Wie viel. Aber trotzdem ist es ziemlich anstrengend, dass ich extra nach Stuttgart fahren muss, um meine „hässliche Hemden-Kollektion“ - wie mein Vater sie gerne nennt - um ein weiteres Stück zu ergänzen. Und es geht auch ziemlich am Prinzip der Nachhaltigkeit vorbei.

Käufermagnet

Ich glaube, mehr Second-Hand-Läden würden Heilbronn guttun. Zum einen würden sie mehr junge Menschen in die Stadt locken, die vorher auf größere Städte mit einem besseren Angebot ausgewichen sind, und zum anderen zu mehr Bewusstsein für Nachhaltigkeit führen.

Denn ein gut organisierter Thrift Store lockt sicher auch noch andere Einkaufende an als Hippies und Hipster. Menschen aus allen Gesellschaftsschichten kaufen gebraucht. Und gerade eine Stadt wie Heilbronn, die versucht, für neue Studierende attraktiver zu sein und den Geist der Jugend zu treffen, braucht Second-Hand-Läden. Denn mal ganz ehrlich: Jugendliche wollen Klamotten, die aussehen als hätten ihre Großeltern sie bereits getragen.

 

Immer montags regt sich Amelie über etwas auf, das sie persönlich erlebt.

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