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Transit Zone

Übersicht

Ich stecke fest. Ganz ähnlich wie man in der Transit Zone eines Flughafens feststeckt. Man kommt eine Zeit lang weder raus noch rein, man steht zwischen zwei Welten – der, die man gerade verlassen hat und einer, die man noch nicht betreten kann. Dieser Vergleich beschreibt meine Gefühlswelt momentan ziemlich perfekt. Denn ich befinde mich in einem Zwischenstadium, das (noch) nichts Halbes oder Ganzes zu sein scheint.

Von Entscheidungen

Wie kommt man eigentlich auf den Gedanken nach dem Abitur einen Freiwilligendienst in Moldawien zu absolvieren? Ja, das habe ich mich in den letzten Tagen und Wochen nicht nur einmal gefragt. Nur zu gerne wäre ich direkt nach der Schule studieren gegangen, aber die Erkenntnis welcher Studiengang am Besten zu mir und meinen Vorstellungen passt, hat mich leider nicht rechtzeitig erreicht. Also habe ich mich nach einer Alternative umgesehen und die Möglichkeit gewählt, über eine Organisation ins Ausland zu gehen. Anfangs war ich noch etwas skeptisch, da der osteuropäische Raum nicht meine erste Wahl darstellte, jedoch haben mich die interkulturellen Ansätze und die Finanzierung des Projekts durch die Träger überzeugt. Noch vor den Abiturprüfungen im April habe ich zugesagt und wandele seitdem zwischen Zweifeln und Vorfreude, zwischen Vorbereitungen und dem gedanklichen Beiseiteschieben dieser kommenden Unbekannten.

Aufbruch?

Wäsche waschen, den Korb in der Drogerie mit unnötigem Kleinkram füllen und Koffer packen – das riecht doch ganz eindeutig nach Abreise. Oder doch nicht? Da ich wusste, dass ich nach dem zehntägigen Seminar noch einmal für zwei Tage daheim sein würde, fiel das Abschiednehmen nicht allzu schwer. Ein Aufenthalt in der Nähe von Berlin verursacht eben doch noch keine richtige Aufbruchsstimmung. Aber kaum dort angekommen hat sich meine Gefühlswelt in einen gigantischen Hurrikan verwandelt, der durch meinen Kopf nur so gewirbelt ist. Neue Menschen, andere Ansichten, Diskussionen, Fachbegriffe und nochmals Menschen und ganz klein dazwischen steht man selbst und ist sich plötzlich gar nicht mehr so sicher mit seiner Entscheidung. Zudem ist es eine komische Situation weder wirklich weg von daheim, noch in seinem neuen "Zuhause“ zu sein.

Ankunft

Ja, da stand ich nun. In Moldawien. Alleine. Mein neues Zimmer für die nächsten Monate: Durchgangsraum zwischen Eingangstüre, Küche und Bad mit einer Couch als Schlafmöglichkeit. Von Möglichkeiten des Rückzugs oder der Intimität keine Spur. Ich würde von mir behaupten, dass ich nicht aus Zucker bin und dass ich mich auf eine wesentliche Veränderung meines Lebensstandards eingestellt habe, aber so? Nein, definitiv nicht. In dieser Nacht kreiste meine Achterbahn der Gefühle zwischen der Hoffnung, dass ich am nächsten Morgen in meinem eigenen Bett aufwachen würde und dem Wissen, dass ich mich wohl damit abzufinden hätte. Am nächsten Morgen muss ich fürchterlich ausgesehen haben, als ich in der Schule aufgetaucht bin. Auf jeden Fall hing meine Ansprechpartnerin nach zwei Minuten am Telefon und hatte weitere zwei Minuten später einen neuen Schlafplatz für mich klargemacht. Wow. Spontanität und Gastfreundlichkeit habe ich selten auf solch einem Level erlebt wie hier (aber dazu mehr in einem meiner nächsten Beiträge). Also nochmal Koffer packen, nochmal die Hoffnung darauf anzukommen.

Und tatsächlich, jetzt sitze ich hier in einer anderen Wohnung mit neuer Gastgeberin, umgeben von alten Möbeln, einer Tapete und Vorhängen, die so überhaupt nicht meinem Geschmack entsprechen und fühle mich überraschenderweise so etwas Ähnliches wie wohl. Meine Transit Zone wird wohl trotzdem noch eine Zeit lang bestehen bleiben, aber vielleicht darf man seine Erwartungen nach ein paar Tagen in einem unbekannten Land auch einfach nicht zu hoch schrauben. So dämlich und nicht hilfreich einem alte Zitate manchmal vorkommen mögen: "Aller Anfang ist schwer“ und damit schließe ich mein Gedankenwirrwarr erstmal ab und hoffe in meinem nächsten Lebenszeichen von der Achterbahn in die Bummelbahn umgestiegen zu sein.

 

 

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