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Eine Frau ist der beste Müller

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Neun junge Männer und drei junge Frauen, die besten Auszubildenden im Müllerhandwerk, hatten eine Einladung nach Bad Wimpfen bekommen. Im erst vor vier Wochen in Betrieb gegangenen Neubau der Frießinger Mühle stellten sie nun zwei Tage lang ihr Können unter Beweis.

Sechs Stationen 

Am Ende hatte Nina Beck die Nase vorne: Die zierliche Frau von der Cerealien Bischheim GmbH aus dem Donnersbergkreis siegte mit mehr als 91 von 100 möglichen Durchschnitts-Punkten. Zweiter wurde Tino Grabowski von der Bühler GmbH aus Braunschweig vor Matthias Lauer von Müllers Mühle aus Gelsenkirchen.

"Der Wettbewerb ist sehr, sehr gut ausgefallen“, lobt Stefan Gräber von der Stuttgarter Müller-Meisterschule. "Wir hatten Top-Ergebnisse.“ Insgesamt waren sechs Aufgaben zu absolvieren. Los ging es im Labor, wo die Teilnehmer eingehende Getreidelieferungen auf ihre Qualität prüfen mussten. Im Mühlengebäude selbst mussten die absichtlich verstellten Maschinen optimal justiert werden. An einer weiteren Station sollten die Prüflinge Körner aus dem Mischfutterbereich erkennen – etwa Soja oder Maissorten, die je nach Betrieb verarbeitet werden. Außerdem mussten sie das Übersetzungsverhältnis von Riemenscheiben berechnen.

Kleine Branche

Schließlich ging es noch um die Passagemehle: An dieser Station, für Laien drei riesige wackelnde Schränke, mussten die zwölf Wettbewerber entscheiden, was mit dem Mehl als nächstes zu geschehen hat – sprich, ob und in welche Mahlanlage es geleitet werden soll.

Die Mühlenbranche selbst ist eine kleine Branche: Etwa 550 Betriebe gibt es in Deutschland. In den 50er Jahren waren es noch 30 000. "Aber diejenigen, die jetzt noch da sind, haben bewiesen, dass sie bestehen können“, sagte Andreas Bolte vom Verband Deutscher Mühlen. "Der Strukturwandel ist weitgehend abgeschlossen.“ 80 bis 100 Auszubildende starten jedes Jahr in den Beruf, der seit 2017 Verfahrenstechnologe Mühlen- und Getreidewirtschaft heißt.

Weltweit begehrt

Nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es diese duale Ausbildung. Begehrt sind die Absolventen in der gesamten Welt, zumal sie neben der Meisterprüfung auch ein Studium an der Deutschen Müllerschule in Braunschweig anschließen können. Jedes Jahr werden die besten Absolventen aus den drei Ländern zum Mühlen Masters eingeladen – in diesem Jahr fand der eben bei Frießinger in Bad Wimpfen statt.

"Das ist für uns eine große Ehre, weil wir uns gleichzeitig präsentieren dürfen“, sagt Willi Erich Frießinger. "Ich bin überzeugt, dass Sie einen fantastischen Weg vor sich haben“, sagt Andreas Bolte zu den zwölf Teilnehmern. "Sie sind die Zukunft der Müllerei.“ Wie diese in einem Großbetrieb aussehen kann, konnten die jungen Leute bei der Frießinger Mühle in Augenschein nehmen. Mit dem Neubau hat das Familienunternehmen die Kapazität von 800 auf 1200 Tonnen Tagesproduktion gesteigert. 15 Millionen Euro werden am Ende investiert worden sein.

 

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