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"Albtraum Schokolade"

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"Schlaf, Menschlein, schlaf. Wir schauen nicht so scharf“: Die Melodie des bekannten Wiegenlieds, das Anna Grießl, begleitet von Alina Ziegler am Flügel, in das runde Flächenmikrophon singt, ist lieblich und süß. Fast wie Schokolade.

Film über Schokolade

Doch der Inhalt, untermalt von dokumentarischen Bildern und Texten, steht dazu in scharfem Kontrast. Handelt er doch von dem bitteren Preis, den Tausende von versklavten Kindern an der afrikanischen Elfenbeinküste für den kalorienreichen Genuss in der westlichen Welt bezahlen. 

Jeder Deutsche isst im Schnitt 8,7 Kilogramm Schokolade im Jahr. Als Pralinen, in Riegeln, Keksen oder Kuchen. Die Hintergründe zum unbedarften Verzehr macht der rund dreiminütige Film "Albtraum Schokolade“ deutlich, den die Schülerfirma alberti.tv für den Wettbewerb "Fairfilmt – eure Geschichte des Fairen Handels“ des Landes Baden-Württemberg gedreht hat. Dafür erhielten einige Zehntklässler und Kameramann Linus Bergler (16) sowie die beiden Abiturienten Michelle Löffler und Pascal Holzwarth (beide 18) den ersten Preis.

Die Idee zum Filmbeitrag, für den Michelle Löffler das Drehbuch geschrieben hat, war ab Herbst 2018 gereift. An die konkrete Umsetzung hat sich das Filmteam des Friedrich-von-Alberti-Gymnasiums im Februar gemacht. Erst zwei Monate vor Abgabe. "Unter Druck arbeiten wir am besten“, sagt Lehrer Axel Schütz lachend. 

Videoausschnitte der Realität

Das Ergebnis der Produktion ist beeindruckend. Während "Chefschauspieler“ Elias Mehlhorn und der Rest einer Schulklasse im Unterricht vor sich hindösen, zeigen die folgenden Videoausschnitte Jungen beim Schleppen von Kakaosäcken oder mit einer Machete beim Abschneiden und Öffnen der Schoten – bis zu 14 Stunden am Tag.

Oder mit einem Spritzkanister auf dem Rücken und Verätzungen auf der Haut. Derweil macht das Musikerinnen-Duo in Dreiklangbrechungen unbeirrt weiter: "Verliert beim Schlagen Händelein, die Schokolade schmeckt so fein.“ Der Großteil des Kakaos wird in Monokulturen unter Einsatz von Pestiziden angebaut. 85 Prozent der Kinder erleiden dabei schwerste Verletzungen: "Es weint ganz arg das Kindelein, für diesen Preis muss das so sein.“

Zugleich sagen die Macher unter Einblendung von Fairtrade-Siegeln, wie es besser geht. "Du kannst es ändern, ganz allein, kauf doch nur endlich Faires ein, wach nun endlich auf.“ Auch wenn der nachfolgende Appell von Leona Hube nur auf Youtube und aus Zeitgründen nicht in der offiziellen Version zu hören ist. 

Professionelle Unterstützung

Intensiv haben die drei Filmemacher recherchiert und mit dem investigativen Journalisten Miki Mistrati und den Fotografen Daniel Rosenthal, Adam Gerrard und Christina Schröder Profis im In- und Ausland kontaktiert. Für die Musikaufnahmen ging es in ein Tonstudio in Öhringen. "Jede der fünf Strophen wurde einzeln aufgenommen und zweimal eingespielt“, erinnert sich Pianistin Alina Ziegler. Rund eine Woche hat es gedauert, bis der Sound abgemischt war.

Für die Schülerfirma, dank Mithilfe des Fördervereins mit professioneller Software und hochwertigem Equipment – Kamera, Beleuchtung, Mikrophone – ausgestattet, ist der Wettbewerbsgewinn ein Meilenstein. Nicht nur, weil die Netzwerkorganisation Incota und mehrere Weltläden der Umgebung den Film verlinkt haben, der Preis im Neuen Schloss in Stuttgart verliehen wurde und nun eine Eisparty für die ganze Schule als Belohnung winkt. Vor allem die Fortführung freut Lehrer Schütz: "Philipp Keil, der Geschäftsführer der Stiftung für Entwicklung und Zusammenarbeit, ist begeistert und möchte den Film als Aufmacher bei 'Fair Handeln', der größten Nachhaltigkeitsmesse in Süddeutschland, im April 2020 in Stuttgart zeigen.“ 

Fairfilmt Video

Ihr wollt den Gewinner-Beitrag selbst sehen? Hier geht's zum Video "Albtraum Schokolade".

 

 

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