Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Hellwach durch die Nacht

Übersicht

Ob Jeanine Höfers einen Film schauen will? "Nein, ich gehe jetzt arbeiten.“ So klingt eine Unterhaltung zwischen ihr und der kleinen Schwester öfter mal. Denn während die Familie den Abend ausklingen lässt, sich bald schlafen legt, beginnt bei Jeanine Höfers der Arbeitstag. Oder besser gesagt: die Arbeitsnacht – und die ist manchmal auch wie im Film. Ein- bis zweimal pro Woche hat die 21-Jährige während ihres dualen Bachelorstudiums zur Polizeikommissarin Nachtdienst.

Mehr als nur Schießen

Mit dem Studium angefangen hat die Neckarsulmerin im Sommer 2016. "Spätestens mit 17 Jahren war mir klar, dass ich zur Polizei möchte. Für etwas anderes habe ich mich erst gar nicht beworben.“ Warum? "Ich wollte viel Bewegung, Leuten helfen, an der frischen Luft sein und immer etwas Neues erleben.“

Ob sich ihre Vorstellungen vom Studium zur Polizeikommissarin bestätigt haben? "Auf jeden Fall. Schon jetzt ist es total abwechslungsreich. Die meisten denken bei einer Polizeiausbildung vor allem an Schießen. Dabei gehört so viel mehr dazu.“ Zum Beispiel? "Klar haben wir Schießtraining oder Abwehr- und Zugriffstraining, kurz AZT. Das bedeutet Handschellen anlegen, kämpfen, ganz viel praktisches Training. Da spielen wir dann auch Verkehrskontrollen oder einen Hausstreit nach.“

Zeit für Papierkram

Das sei aber nur ein Teil der Ausbildung. Im theoretischen Teil – an der Hochschule für Polizei Baden-Württemberg – gehe es dann um Psychologie, Kriminologie, Kriminaltaktik, Polizeirecht und Strafrecht. "Recht ist das A und O. Nur wenn ich weiß, was ich als Polizistin darf, kann ich draußen sicher auftreten. Ohne Rechtsgrundlage kann ich niemandem Blut abnehmen, seine Personalien aufnehmen, ihn festnehmen oder durchsuchen.“

Und genau das macht Höfers auch jetzt schon. Denn dass sie zu Einsätzen fährt, das gehört während ihrer Praxismonate dazu. Im Moment ist Höfers im Polizeipräsidium Heilbronn. "Mindestens einen Einsatz pro Nacht haben wir eigentlich immer. Manchmal gibt es auch Nächte, da kommt man überhaupt nicht ins Revier.“

Ob auch mal das Gegenteil der Fall ist? „Ja, hin und wieder haben wir auch ruhige Nächte.“ Dann fährt Höfers entweder Kontrollen oder sie nutzt die Zeit für den Papierkram. "Ordnungswidrigkeiten ans Ordnungsamt melden, Strafanzeigen an die Staatsanwaltschaft – wir müssen alles aufschreiben, was wir draußen gemacht haben.“

Abwechslungsreiche Arbeit

Von 19.30 bis 5 Uhr morgens dauert die Nachtschicht. Für Höfers ist die Uhrzeit überhaupt kein Problem: "Durch die verschiedenen Schichten ist es umso abwechslungsreicher. Tagsüber rücken wir meistens wegen Unfällen aus. Nachts geht es dann vor allem um Ruhestörung, Streitereien, Schlägereien und Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. Auch verdächtige Wahrnehmungen werden oft gemeldet. Das bedeutet dann zum Beispiel, dass jemand um die Häuser schleicht.“

An ihren ersten Einsatz erinnert sie sich gut: "Nach einem Einbruchalarm in einer großen Firma haben wir mit mehreren Kollegen das Gebäude umstellt. Das war alles ganz neu für mich und ich war echt aufgeregt.“

Viele Möglichkeiten

Und wie sieht es während der nächtlichen Streife aus? "Man ist immer zu zweit unterwegs und kann sich auf den Streifenpartner verlassen. Es gibt schon Leute, die richtig doof werden, wenn sie etwas getrunken haben. Dann gibt es Widerstände. Aber Beleidigungen oder Handgreiflichkeiten hatte ich bis jetzt noch nicht.“ Dass das aber zum Job dazu gehört und früher oder später auf sie zukommen wird, das ist Höfers klar.

Wie es nach dem Studium weitergeht, kann Höfers noch nicht genau sagen. An Möglichkeiten mangelt es aber nicht. Als Polizeikommissarin könnte sie zum Beispiel zur Kriminalpolizei gehen, in den Stab oder in den Streifendienst.

Hintergrund

Es ist dunkel, die Straßen sind ruhig, die Lichter in den Häusern aus. Die Welt schläft. Die ganze Welt? Nein. In vielen Betrieben ist es aus wirtschaftlichen Gründen unabdingbar, dass auch nachts gearbeitet wird. Nicht nur im Dunkeln, sondern in großen Teilen auch im Verborgenen sorgen zu später Stunde viele Menschen dafür, dass das Leben zu Tage seinen gewohnten Lauf nimmt. Wir stellen euch hier verschiedene Berufe vor, für die man auch mal nachts aufstehen muss, was Nachtarbeit für unseren Körper bedeutet und worauf man bei einem Bewerbungsfoto achten sollte.

 

Galerien

Regionale Events