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Wo ein Wille ist

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Mit 18 Jahren ist Khadar Asad Osman von Somalia nach Deutschland geflüchtet. Ohne seine Familie, quer durch die Sahara. In München angekommen wurde er in das große Flüchtlingsauffanglager im schwäbischen Meßstetten geschickt. Am Ende landete er in Unterheinriet. Er ging zwei Jahre auf die Christiane-Herzog-Schule um Deutsch, eine ihm völlig unbekannte Sprache, zu lernen. 

Schwerer Anfang

Der 22-Jährige sitzt im Besprechungsraum der Firma Marbach in Heilbronn. Ruhig und sachlich, in fließendem Deutsch erzählt er seine Geschichte. Er ist inzwischen im ersten Ausbildungsjahr als Packmitteltechnologe. Schon vor seiner Ausbildung kannte er die Firma Marbach, hat nach den zwei Jahren Sprachkurs dort ein Praktikum gemacht. Erstmal nur eine Woche, um die Firma und den Beruf kennenzulernen. Es folgte der Hauptschulabschluss im Juli 2017. Gerade einmal zwei Jahre, nachdem er in Deutschland angekommen war.

 Wie das zu schaffen war? "Wenn man es will, dann schafft man es", sagt der junge Mann und wirkt sehr entschlossen. Natürlich sei nicht immer alles einfach gewesen. Als er seine Ausbildung begann, lebte er noch in der Flüchtlingsunterkunft in Unterheinriet. "Das war hart. Sehr schwer." Oft war es sehr dreckig, auf Putzen hatte niemand Lust. "Es waren dort sehr viele Kulturen auf einem Haufen und es gab fast jedes Wochenende Streit. Manchmal auch handgreiflich." Da hat ihm bei der Arbeit oft die Energie gefehlt. Sascha Kollmar, Ausbildungsleiter bei der Firma Marbach, hat ihm geholfen, etwas Eigenes zu finden. "Das war nicht einfach", erzählt Khadar Asad Osman, "es kamen viele Absagen. Man hört ja nicht viel Gutes von Flüchtlingen." 

Mauern abgerissen

Letztendlich haben Osman und Kollmar aber eine Wohngemeinschaft gefunden. 
Die Sprache war für Osman nie ein Problem. Am Anfang, während seines Praktikums, hat er sich auf Englisch mit Kollmar unterhalten. Das hat Osman in Somalia auf der Straße gelernt. Kollmar hat ihn dann immer wieder ermutigt, Deutsch zu sprechen. "Sprich die Wörter lauter aus. Schäm dich nicht", hat er ihm gesagt. "Ich habe ihm Zeit gegeben und so die Mauer, die er aufgebaut hat, abgerissen." Allerdings hätte die Betreuung von Seiten der Firma, direkt nach dem Praktikum, zu viel Zeit in Anspruch genommen.

Deshalb schloss Osman an sein Praktikum ein Einstiegsqualifizierungsjahr (EQJ) an. "Durch das EQJ ist er jetzt soweit, dass er schon selbstständig Kundenaufträge bearbeiten kann", sagt Kollmar. An und für sich findet er das EQJ ist ein sehr gutes Modell. "Allerdings fand ich es erschreckend, was man da für eine voll 40-Stunden-Woche an Geld bekommt." 270 Euro verdient man im Monat. Khadar Asad Osman zuckt dazu nur mit den Schultern: "Für mich ist das okay. Ich habe ja auch noch die Unterstützung vom Amt bekommen."

Rassismus 

Aber wie läuft es in der Berufsschule mit all den Fachbegriffen? Auch hier hat der Somalier Unterstützung. "Die Azubis aus dem zweiten und dritten Lehrjahr helfen mir." Und die Berufsschule bietet individuelle Unterstützung an. Bleibt nur noch die Sache mit dem Aufenthaltsstatus. Als die Ausbildung begann, war dieser noch auf ein Jahr begrenzt. Inzwischen sind es drei Jahre, die er sicher in Deutschland bleiben darf.

Osman bleibt positiv: "Wenn ich die Ausbildung fertig gemacht habe, habe ich gute Chancen." Auch für Marbach ist das ein Risiko. "Wir haben eine 100-prozentige Übernahme von Azubis. Da steht dann nur noch der Aufenthaltsstatus im Weg", sagt Kollmar. Ein Einstellungshindernis sollte das aber nicht sein. "Ich mache da keine Unterschiede. Ich sehe den Menschen. Der Wille und die Motivation muss da sein", sagt Sascha Kollmar, "Vorurteile sind vielleicht das Grundproblem in Deutschland." 

Auch von Kollegen kamen schon rassistische Äußerungen gegenüber dem einzigen dunkelhäutigen Mitarbeiter in der Firma. Sprüche wie "Hast du dort Bananen gepflückt?" oder "Bist du auch mit dem Schlauchboot rübergerudert?" seien gefallen. Kollmar hat die betreffenden Personen abgemahnt. Osman bleibt auch bei diesem Thema positiv: "Wenn ich höre, was meine Freunde mir von Ereignissen in ihren Firmen erzählen ... da bin ich hier im Paradies."

 

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