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Engagement für eine gerechtere Welt

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"In diesem Jahr ist mir Südafrika ein Stück Heimat geworden!" Die 19-jährige Julia Himmelmann hat im Rahmen des Entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes ein Jahr in der südafrikanischen Provinz Transkei gelebt und dort Xhosa-Kinder unterrichtet

"Für mich war klar, nach dem Abitur nicht gleich zu studieren.", sagt die junge Frau. Sie wollte etwas Sinnvolles mit Kindern tun, "einen kleinen Beitrag zu einer gerechteren Welt leisten". Das Jugendrotkreuz Westfalen-Lippe entsendet Julia Himmelmann für ein Taschengeld nach Südafrika, gefördert über das Programm "weltwärts" des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Zwölf Häuser

In Johannesburg steigt die 19-Jährige für den Inlandsflug nach Mthatha "in das kleinste Flugzeug, das ich je gesehen habe." Von der Regionalhauptstadt benötigt das Allradfahrzeug drei Stunden, um 120 Kilometer zurückzulegen. Der Ort Mdumbi besteht aus zwölf Häusern und einem Backpacker-Hostel, dem einzigen Arbeitgeber im Umkreis von 100 Kilometer. "Hier habe ich Rucksacktouristen kennengelernt, die Urlaub am Meer abseits des Mainstreams machen wollen", berichtet Julia. 

Das lokale Hilfswerk "Transcape" wird vom Roten Kreuz in Deutschland durch Freiwillige wie Julia unterstützt. Mit Begeisterung hilft die 19-Jährige in der Preschool für die zwei- bis siebenjährigen Kinder. "Dies ist keinesfalls mit unserem Kindergarten zu vergleichen." Beeindruckend sei, dass die Zahlen bis 100 sowie sämtliche Buchstaben geübt werden – und alles auf Englisch. "Zu Hause reden die Menschen ihre Stammessprache Xhosa", erläutert die Abiturientin. Da es insgesamt elf amtliche Stammessprachen gibt, "ist Englisch zur Verständigung unheimlich wichtig."
Die junge Deutsche unterstützt einzelne Kinder und übernimmt den Unterricht, wenn eine Lehrerin erkrankt. "Die Kinder bekommen als Frühstück immer Porridge sowie mittags Reis mit Fisch oder Bohnen, bevor sie nach Hause gehen."

Ihre Berufung findet Julia Himmelmann in der Afterschool, wo Schüler der 6. bis 9. Klasse betreut werden. "Das ist keine Hausaufgabenbetreuung, sondern die Wiederholung des Lernstoffes." Das sehr straffe Programm werde von den Schülern als Chance genutzt, den mangelhaften Schulunterricht auszugleichen.

Kein Heiligabend

Mit dem Heimweh kann Julia gut umgehen, "nur Weihnachten war schwierig, weil es keinen Heiligabend gab. Dort wird nur der 25. Dezember gefeiert.“ Diesen erlebt sie bei 36 Grad im Schatten. Ein Highlight ist für Julia Himmelmann der Besuch ihrer Familie in den Osterferien. 
Gleichzeitig mit ihr ist als weitere Freiwillige die zwei Jahre ältere Tina Baum nach Mdumbi gekommen. "Wir sind in dem Jahr zu Schwestern zusammengewachsen." Betreut werden die beiden jungen Frauen von ihrer Chefin und Mentorin Astrid Gifford. Die 42-jährige Deutsche lebt mit ihrer Familie schon seit 19 Jahren in Südafrika. Deren Fürsorge empfindet Julia als besonders wohltuend, als sie durch einen Zecken- oder Spinnenbiss für eine Woche mit hohem Fieber außer Gefecht gesetzt wird. Noch jetzt erinnert eine kreisrunde rote Narbe auf dem Unterarm an den unheimlichen Biss.

"In Südafrika habe ich den Wert des Wassers ganz neu schätzen gelernt", erklärt die 19-Jährige außerdem. Immer wieder sei im Dorf das Wasser abgestellt worden, "was in den Städten nicht passiert". Gegen Ende ihres Aufenthaltes gibt es insgesamt neun Wochen lang kein Wasser. Die beiden jungen Frauen schleppen daher volle Fünfliterkanister vom Education Center nach Hause. Die Dorfbewohner hätten sogar mit Sumpfwasser ihr Geschirr gespült. "Als es für uns gesundheitlich dramatisch wurde, schickte uns das DRK Geld, damit wir bei den Backpackern wohnen konnten, die eine eigene Quelle haben.“
Das Jahr in Südafrika hat die 19-Jährige geprägt: "Dort gibt es 98 Prozent Arbeitslosigkeit, während ich hier in Ruhe mein Studium beginnen kann.“ Julia hat sich gegen das Lehramt und für ein Tourismusstudium entschieden. "Vielleicht führt es mich ja wieder nach Afrika."

 

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