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Die Glücksministerin rät zu ...

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Gina Schöler leitet das von ihr selbst ernannte Glücksministerium in Mannheim. "Es ist ein interaktives Kunstprojekt für bewusstes Leben und Glücksbesinnung, das Menschen bewegen soll, einmal wieder ein paar wichtige Fragen zu stellen", sagt die 33-Jährige. Bigna Fink hat sie zum Thema Glück im Beruf interviewt

Frau Schöler, was ist Glück?

Gina Schöler: Eine große Frage! Glück scheint mir etwas höchst Individuelles zu sein. Nach meiner Definition besteht Glück aus Gefühlen. Mein persönliches Glücksrezept, das sich im Laufe der Jahre gefestigt hat, ist Verbundenheit. Die Verbundenheit mit mir selbst – wenn ich es schaffe, Zeit für mich zu nehmen, gerade auch als frisch gewordene Mama. Ganz wichtig finde ich die Verbundenheit mit meinen Lieblingsmenschen, Freunden und der Familie. Aber auch mit fremden Menschen sich einen Moment zu verbinden, das kann schon ein Lächeln im Supermarkt sein. 

Wie sind Glück und Arbeit miteinander verbunden?

Schöler: Wenn man bedenkt, wie viel Lebenszeit wir mit Arbeiten verbringen, dann wird klar: Es ist doch sehr wichtig, diese enorme Lebensspanne mit einer Tätigkeit zu füllen, die uns morgens nicht nur ohne Bauchweh, sondern mit Begeisterung und (Vor)-Freude aufstehen und zur Arbeit gehen lässt. 

Wie wichtig ist Geld für das berufliche Glück?

Schöler: Das Gehalt ist mitunter wichtig, ja, es ist schlichtweg eine Form der Wertschätzung, wenn auch "nur" eine monetäre. Es sollte eine gesunde Balance aus menschlicher und finanzieller Wertschätzung sein: Denn wir brauchen eine Grundversorgung an Geld, um gut und sorgenfrei leben zu können. 

Inwiefern ist jeder seines Glückes Schmied auf der Suche nach einem passenden Job?

Schöler: Menschen in der Phase der Berufsorientierung empfehle ich, sich selbst, ihre Stärken und ihre Wünsche für sich und die Gesellschaft kennenzulernen. Daraus können sich ganz neue Jobs entwickeln. Auch bei Ausbildungsplätzen sich vielfältig umzuschauen: Berufe, die zu einem passen könnten, hat man oft gar nicht auf dem Schirm. Egal, in welchem Alter man ist: Mehr Experimente wagen, immer wieder den Status Quo und die eigenen Wünsche hinterfragen

Während der Lehre: Wie werden Azubis und Studenten glücklich?

Schöler: Ich denke, es ist hilfreich, sich betriebsintern ein umfassendes Bild zu machen. Bildet Netzwerke. Es ist ganz wichtig, mit verschiedensten Leuten zu quatschen. Menschen sind hilfsbereit! Was mir immer wieder bewusst wird, drückt sich in zwei alten Sprichwörtern aus: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Und: Im Leben sieht man sich immer zweimal. Beispielsweise haben sich schon ehemalige Chefs an mich gewandt, bei denen ich einst Praktika gemacht habe. Heißt: Seid freundlich zu den Menschen. 

Was rätst du bei Stress?

Schöler: Jeder hat sein eigenes Stressempfinden. Achtet bei der Arbeit auf euren Körper, nehmt Angespanntheit ernst, zieht eure Grenzen, feiert Überstunden ab. 

Und bei Fehlern?

Schöler: Wenn ihr Fehler macht, steht dazu. Schwäche zu zeigen, ist in Deutschland immer noch ein Tabuthema, vor allem bei Anzugsträgern. Fehler zu machen sollte enttabuisiert werden. Ganz klasse finde ich sogenannte Fuckup-Nights, die es mittlerweile in vielen Städten gibt und bei denen gescheiterte Gründer, Chefs und Angestellte von ihren Pleiten berichten. Eine tolle Methode, mit Leichtigkeit und Humor aus Fehlern zu lernen. 

Welche Verantwortung haben Arbeitgeber für glückliche Mitarbeiter?

Schöler: Zu einem großen Teil sind wir für unser Glück selbst zuständig, nicht unsere Eltern, der Staat oder der Arbeitgeber. Dennoch hat der Arbeitgeber eine Verantwortung für das Wohlbefinden seiner Mitarbeiter. Der Betrieb muss gewisse Rahmenbedingungen schaffen für Zufriedenheit und Sinn im Arbeitsalltag. Mit flexiblen Arbeitszeiten etwa können Arbeitgeber auf die aktuellen Lebenssituation der Mitarbeiter eingehen. 

Wie kann das Unternehmen für Jobglück sorgen?

Schöler: Dafür braucht es mehr Menschlichkeit in Unternehmen. Es sollte ein wertschätzender, offener Dialog im Betrieb herrschen. Eine Arbeitskultur, die sich an den Stärken der Mitarbeiter orientiert, schafft ein ganz anderes Lebensgefühl und ist goldwert: Wenn die Menschen Feuer und Flamme bei der Sache sind, intrinsisch motiviert, sind sie teamfähiger, seltener krank. Viele Unternehmen haben bereits erkannt, dass die jüngeren Generationen mit ihrer Arbeit wirklichen Mehrwert für die Gesellschaft generieren möchte und dass ihr Job vor allem Sinn und Spaß machen sollte. 

Mehr Infos über Gina Schöler gibt es hier.

 

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