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Experte für sanftes Anfahren

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Wer schon mal mit einem wenig gefühlvollen Fahrer im Auto saß, kennt das: Bei jedem Schaltvorgang wird man förmlich aus dem Sitz gerissen. Daniel Hägele sorgt mit dafür, dass diese ruckartige Beschleunigung schon bald kein Thema mehr ist. Hägele ist dualer Informatikstudent beim Automobilzulieferer Getrag in Untergruppenbach. Und mit seiner Hilfe können Motor und Getriebe eines Autos miteinander kommunizieren.

„Das Doppel-Kupplungs-Getriebe macht eine konstante Beschleunigung möglich, denn der Computer weiß besser, wann der richtige Schaltzeitpunkt da ist“, erklärt der 28-Jährige. IT Automotive heißt der duale Bachelor-Studiengang, der sich speziell mit Informatik für die Automobilindustrie beschäftigt. Ein zukunftsweisender Berufszweig, wo doch in Autos immer mehr Technik verbaut ist. In den Theorieblöcken an der Dualen Hochschule Stuttgart lernt Hägele programmieren und vieles mehr, in der Praxis in Untergruppenbach kann er es direkt ausprobieren. "Das ist total spannend“, sagt der Student. "Man hat die Brücke zwischen Theorie und Praxis.“ 

Von Angewandter Informatik unterscheidet sich seine Arbeit vor allem im Thema. Statt Desktopanwendungen oder Apps entwickelt er Anwendungen, die ein Fahrzeug zum Laufen bringen. "Das kann man nicht mal eben am Rechner ausprobieren und es darf in der Praxis nichts schief gehen.“ Deshalb sind Fehlerdiagnose und Datensicherheit ebenso Schwerpunkte im Studium.

Die Zukunft offen

Die Fahrzeugsoftware, die bei Getrag entwickelt wird, landet in Autos von Daimler, BMW und Renault. Wenn Hägele ein Programm fertig hat, schließt er den Laptop an eines der Testfahrzeuge im Hof an und testet. "Der Beruf ist zukunftsweisend“, ist er sich sicher. "Die Entwicklung geht immer weiter, es bleibt spannend.“ Im Studium sprechen Hägele und seine Kollegen auch bereits über die Möglichkeiten des autonomen Fahrens – also ohne Fahrer. 

Noch fährt der Ludwigsburger aber selbst und zwar einen Wagen mit klassischer Schaltung, doch beim nächsten Auto will er auf einen Motor mit Doppel-Kupplung umsteigen, auch weil es Sprit spart. Wenn ihm dann doch mal nach einer ruppigen Fahrweise zu Mute ist, bieten viele Modelle in der Automatik auch ein Sportprogramm – das simuliert das händische Schalten.
Als dualer Student wandert Hägele durch die verschiedenen Abteilungen des Unternehmens. Wann er genau an seinem Arbeitsplatz erscheint, bleibt ihm selbst überlassen. Es herrscht Arbeit auf Vertrauenszeit. Oft muss er sich auch seine Arbeit selbst einteilen. "Da muss man schon sehr gut organisiert sein.“

Das gilt natürlich auch für das duale Studium mit gerade zu Semesterende vielen Klausuren. "Das sind sehr viele Informationen in sehr kurzer Zeit.“ Neben dem Interesse an Computern ist aus Hägeles Sicht noch etwas wichtig für das Studium: "Man sollte nicht mit Mathe auf dem Kriegsfuß stehen, das zieht sich durch alle Semester.“ Schulnoten sind für Charlotte Krauter, Ausbildungsleiterin in Untergruppenbach, nicht entscheidend bei der Auswahl der Kandidaten. "Wichtig sind uns Neugier, Interesse an Technik und soziale Kompetenz.“

Arbeit als Hobby

Für Hägele war schon früh klar, dass es mal in Richtung Informatik gehen soll. Mit 13 Jahren schrieb er seine ersten Programme. Zu Getrag kam er mit 18, zunächst als Auszubildender zum Industriemechaniker. Dann holte er berufsbegleitend sein Abitur nach und bewarb sich auf das duale Studium. 

Selbst als viel beschäftigter dualer Student sitzt Hägele in seiner Freizeit noch vor dem Rechner und programmiert. "Ich arbeite gerade an einer Home-Automatisierungs-App.“ Damit will er in Zukunft Heizung, Licht und Saugroboter steuern – vom eigenen Handy aus.Trotzdem treffe er sich noch mit Freunden und mache Sport, betont der 28-jährige Daniel Hägele. Er sei kein Nerd, sagt er, "wenn, dann nur im positiven Sinne“. 

Technik für Mädchen 

Der Studiengang IT Automotive ist, genauso wie viele Informatikberufe, Männer-dominiert. Getrag versucht gemeinsam mit anderen Unternehmen, Frauen für solche Berufe zu begeistern. Dazu veranstaltet das Unternehmen die Reihe "Technik für Mädchen“, in der Schülerinnen in Untergruppenbach in der Praxis mit Technik experimentieren können. "Wir haben das Gefühl, dass diese Aktionen Wirkung zeigen“, sagt Ausbildungsleiterin Charlotte Krauter. Aber es gäbe immer noch wenige Frauen in Technikberufen. jdi

 

 

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