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Den Bäckern geht der Nachwuchs aus

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Ruhig geht es zu in der Peter-Bruckmann-Schule. Mehr als 2000 Schüler sind an der beruflichen Landkreisschule an der Heilbronner Theresienwiese angemeldet. Die Ruhe liegt jedoch weniger an der Osterzeit, sondern vielmehr an Corona. Und bei den Auszubildenden im Bäcker-Handwerk geht es noch übersichtlicher zu als ohnehin schon. Die ersten beiden Lehrjahre haben zurzeit keinen Präsenz-, sondern Online-Unterricht von zu Hause aus. Und die zwölf Azubis, die bereits in ihrem dritten Lehrjahr sind und in wenigen Wochen ihren Abschluss machen möchten, sind coronabedingt sogar noch in zwei Gruppen im praktischen Wechselunterricht aufgeteilt.

Das Handwerk verliert von Jahr zu Jahr weiter an Zuspruch: Den Bäckern geht das Personal aus. Die Gründe liegen auf der Hand: Arbeitszeiten in der Nacht und an Wochenenden, und obendrein eine bescheidene Entlohnung. Das ist nicht besonders anziehend für junge Menschen. Und die Kundschaft kauft mehr und mehr ihre Brötchen bei den Discountern.

Stark zurückgegangen 

„An der Bezahlung müsste man drehen“, sagt der Technische Lehrer Christoph Lindner. Vor zwölf Jahren war die Zahl der Auszubildenden an der Bruckmann-Schule noch fast viermal so hoch wie heute. Vom Höchststand mit 130 Bäcker-Azubis (2008/09) kann Schulleiter Dr. Christoph Franz nur noch träumen. Jetzt ist die Zahl auf gerade einmal 34 in allen drei Ausbildungsjahren zusammengeschmolzen. Diejenigen, die mit Herzblut und Leidenschaft dabei sind, sind offenbar in der Minderheit. „Etwa ein Drittel der Auszubildenden ist top-motiviert“, sagt Lindner. Danach nehme das Niveau kontinuierlich ab und reiche bis hin zu Ausbildungsabbrüchen. „Die großen Betriebe“, so Christoph Lindner, „haben sich ohnehin schon ein Jahr vorher ihre Azubis gesichert.“ 

„Etwa ein Drittel der Auszubildenden ist top-motiviert.“ - Christoph Lindner

Motivation

Andre Rupp aus Weinsberg gehört offenbar zur Kategorie der Motivierten. „Mir macht die Arbeit viel Spaß, habe mir früher schon viel von meiner Oma abgeschaut“, sagt der 19-Jährige, der bei der Bäckerei Trunk in Obersulm-Willsbach beschäftigt ist und nach dem nun bevorstehenden Ende seiner Ausbildung übernommen werde. Elisabeth Volkmann wollte zunächst Erzieherin werden. Dies hatte nicht geklappt, und inzwischen ist die 21-Jährige ganz froh, dass sie sich für diesen Ausbildungsgang entschieden hat. Sie arbeitet bei der Bäckerei Härdtner in Neckarsulm und freut sich über ein gutes Team. Dort werden einmal pro Woche Corona-Tests angeboten. Auch sie werde von ihrem Betrieb wohl übernommen.

Um den fachpraktischen Unterricht ein wenig interessanter zu gestalten, bezieht die Bruckmann-Schule externe Fachleute wie Johannes Hirth mit ein. Der Unternehmer aus Bad Friedrichshall ist Inhaber des gleichnamigen Familienbetriebs mit acht Fachgeschäften und inzwischen 80 Mitarbeitern. Hirth gibt den Nachwuchs-Bäckern einen Einblick in die Herstellung von Schaubroten, was der Vorbereitung auf ihre Prüfung dient. „Ich zeige ihnen, wie man mit einfachen Mitteln einen hohen Effekt erzeugen kann“, sagt Hirth. Er ist um die Unterteilung in zwei Gruppen nicht traurig, obwohl er dann zweimal nach Heilbronn kommen muss: „Ich kann dadurch individueller auf die Auszubildenden eingehen.“






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