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Bewusste Entscheidung

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Mit der Mistgabel auf dem Acker stehen, Kühe melken und immer früh aufstehen: Der Beruf des Landwirts ist mit vielen Klischees behaftet und für viele junge Menschen genau wegen dieser Vorurteile heutzutage fast undenkbar. Adrian Schäfer möchte allerdings genau diese Laufbahn einschlagen. Seit zweieinhalb Jahren studiert der Bonfelder an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in Bayern Landwirtschaft in einem dualen Studiengang. Nach viereinhalb Jahren hat er nicht nur einen Bachelorabschluss in der Tasche, sondern auch eine abgeschlossene Ausbildung.

Tiere

„Ich habe mich ganz bewusst dafür entschieden“, sagt der 22-Jährige. Über seinen Opa und seinen Onkel Helmut Wacker konnte er bereits als Kind in den Beruf reinschnuppern. „Damals haben mich aber vor allem die Kühe interessiert“, erinnert sich Schäfer. Sein Onkel habe ihn und seinen Bruder immer mit in die Arbeit einbezogen, viel und geduldig erklärt. Ackerbau sei hingegen nicht so spannend für ihn gewesen. Das hat sich mittlerweile allerdings geändert. Nach dem Abitur am agrarwissenschaftlichen Gymnasium in Öhringen habe er lange überlegt, wohin der Weg gehen soll. „Ich wollte erst eine normale Ausbildung machen“, erzählt Adrian Schäfer, „und nicht nur studieren.“ Mit der bayrischen Hochschule habe er dann genau das gefunden, was er sich vorgestellt habe.

Nach einer 15-monatigen Praxisphase in einem landwirtschaftlichen Betrieb steigen die Studenten in die Theorie ein. Zu der gehören Veranstaltungen über Tierhaltung, Pflanzenbau oder Technik. Coronabedingt liefen die vergangenen zwei Semester hauptsächlich online. Die Klausuren müssen Adrian Schäfer und seine Kommilitonen allerdings vor Ort absolvieren. Weil das vierte Semester aus einer sechsmonatigen Praxisphase besteht, konnten die Prüfungen zeitlich nicht nach hinten geschoben werden.

Dann heißt es auch für den 22-Jährigen wieder früh aufzustehen. „Eigentlich bin ich ein Langschläfer.“ Aber wenn es um die Arbeit gehe, mache ihm das nichts aus. „Ich habe dann einfach Lust etwas zu schaffen.“ Und wenn die dann doch mal fehlen sollte, denkt er an seinen Onkel, der ihm einen gewissen Biss mitgegeben habe.

Nach dem Abschluss seines Studiums in zweieinhalb Jahren möchte Adrian Schäfer sich nicht nur auf die reine Landwirtschaft konzentrieren, sondern auch Tiere halten. Über das Konzept hat er sich bereits Gedanken gemacht: Auch wenn die Entwicklung nicht genau voraussehbar sei, möchte er sich auf die Direktvermarktung konzentrieren. „Ich will gute Lebensmittel auch gut herstellen“, sagt er. Allerdings müsse man damit auch Geld verdienen können, deshalb sei es häufig schwer, einen guten Mittelweg zu finden.

Einklang

Produkte über einen Discounter zu vertreiben sei beispielsweise finanziell nicht die beste Lösung. Deshalb denkt er schon jetzt über einen Hofladen nach. Vor allem will er aber im Einklang mit Natur und Umwelt arbeiten. Auf einem Hof mit Hunderten Sauen zu arbeiten, kann er sich nicht vorstellen. „Viele sagen, man müsse sich spezialisieren. Deshalb gibt es dann solche Betriebe.“ Auch das Veterinäramt spielt dabei eine Rolle, denn das sieht es wegen übertragbarer Krankheiten nicht gerne, wenn unterschiedliche Tierarten gemeinsam gehalten werden.

Auch die heutige Struktur mache ein solches Konzept schwer, denn mit einer Handvoll Schweine und einem Dutzend Hühnern sei es schwer, einen Abnehmer zu finden. „Dafür kommt kein Metzger vorbei, um zu schlachten.“ Für viele Landwirte bleibe dann nur noch Gewinn über die Menge zu machen und die Tiere an Unternehmen wie Tönnies, die wiederum wenig zahlen, zu verkaufen.
Aber egal, welchen Weg er letztendlich einschlagen wird: „Es geht nur mit Leidenschaft. Wenn man etwas gerne macht, dann klappt es auch.“



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