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Jung, fleischlos und kritisch

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Die Jungen werden es richten – das scheint die grüne Hoffnung des Fleischatlas 2021 der Heinrich-Böll-Stiftung zu sein. „Ohne Kurswechsel“, schreiben die Autoren darin, „wächst die Fleischproduktion bis zum Jahr 2029 um 40 Millionen Tonnen auf dann mehr als 360 Millionen Tonnen Fleisch pro Jahr.“ Die Fleischindustrie befeuere die Klimakrise, Waldrodungen, Pestizid-Einsätze und Biodiversitätsverluste, vertreibt Menschen von ihrem Land, so die Autoren.

Fleischersatz

Einer für den Fleischatlas durchgeführten Umfrage nach sehen Menschen zwischen 15 und 29 Jahren in der Fleischproduktion nicht nur „eine Bedrohung für das Klima“, sondern sie ernähren sich auch doppelt so oft vegetarisch und vegan wie der Durchschnitt der gesamten Bevölkerung.
Auch die Nachfrage nach Fleischersatzprodukten wächst. Mehr als ein Drittel der weltweit geernteten Feldfrüchte enden als Futtermittel, 90 Prozent zur Mast von Schlachttieren verwendet. Und das, obwohl das Menschen ernähren und so Umwelt und Klima schonen könnte. Beim Anbau werden jedoch nicht nur wertvolle Wälder gerodet und Grasland in Felder umgewandelt, der Einsatz von Pestiziden schadet auch dem Grundwasser und der Artenvielfalt.

Auch im Kraichgau wird auf insgesamt 1500 Hektar Fläche Soja angebaut. Der Großteil endet als Tierfutter. Einige Landwirte beliefern als Vertragsbauern aber die Lebensmittelbranche, so wie Andreas Ehehalt aus Eppingen. Er baut in Bio-Qualität an. „Es ist viel effektiver, die Sojabohne direkt zu essen, als sie über das Schwein zu veredeln“, sagt er. Dass sich der Sojaanbau lohnt, liegt an einem Förderprogramm.

Alternativen

Das Soja liefert Ehehalt an den Lebensmittelhersteller Taifun-Tofu. Das Freiburger Unternehmen fertigt daraus unter anderem Bratfilets und vegane Aufschnitte, ebenfalls mit Bio-Siegel. „Das Unternehmen übernimmt die gesamte Anbaufläche, unabhängig vom Ertrag“, sagt Ehehalt. Einen solchen Vertrag hat Taifun-Tofu mit rund 100 Landwirten in Deutschland, Frankreich und Österreich. Das Geschäft läuft rund.
„Wir werden dieses Jahr mehr Vertragsbauern benötigen“, so Taifun-Tofu Pressesprecherin Lina Cuypers. Innerhalb eines Jahres, von 2019 bis 2020, sei der Umsatz um zwölf Prozent gestiegen. „2020 hätten wir doppelt so viel produzieren können, wie es unsere Kapazitäten ermöglichen.“ Das liege auch am gestiegenen Nachhaltigkeitsbewusstsein durch die Fridays-For-Futures.  

Hintergrund

Auch in Deutschland gibt es immer mehr Unternehmen, die mit regionalen und pflanzlichen Zutaten Fleischalternativen herstellen. Neben Soja werden dabei meist Lupinen und Seitan verwendet. Außer Taifun-Tofu nutzen auch Lord of Tofu und Nagel regionales Soja. Lord of Tofu bezieht sein Soja laut Unternehmensangaben zu 90 Prozent aus Deutschland, Nagel verwendet Soja aus Österreich. Alberts nutz Lupinen aus der Umgebung der Produktionsstätte in Rheinland-Pfalz. Wheaty nutzt zur Seitanherstellung Zutaten aus angrenzenden EU-Staaten, Italien und Südosteuropa. 

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