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Mit Neoprenanzug im Hallenbad

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Mit einem Neoprenanzug schwimmt man eigentlich in offenen Gewässern. Das Textil schützt vor Kälte und wird vor allem von Triathleten beim Training und im Wettkampf genutzt. Im Rappsodie-Hallenbad, in dem fast schon tropische Temperaturen herrschen, sieht man das Kleidungsstück eigentlich nicht. Weil das Bad allerdings seit Wochen coronabedingt geschlossen hat, wird das Wasser nicht mehr beheizt. Shila Müller muss allerdings trotzdem trainieren. Im Mai und Juni hat die Auszubildende ihre Abschlussprüfung als Fachangestellte für Bäderbetriebe. Und dafür muss sie nicht nur im theoretischen Teil fit sein. Auch wenn durch Corona die praktische Prüfung anders sein wird als in den Jahren zuvor. „Wir schleppen eigentlich Menschen ab. Jetzt sind es eben Puppen“, erzählt Shila Müller.

Ein weiteres Thema der Prüfung ist der Entwurf eines Konzeptes für einen Kurs. Das Thema erhalten die Azubis vier Wochen vorher und müssen dann ihre Ausarbeitung praktisch vorstellen. „Das machen wir diesmal nur als Präsentation“, sagt Müller.

Vorteile

Der Neoprenanzug wurde extra für die 22-Jährige gekauft. Und auch wenn es anfangs ungewohnt gewesen sei, damit zu schwimmen, sieht Shila Müller durchaus Vorteile. Durch das Gewicht könne sie sich optimal auf den Teil der Prüfung vorbereiten, in dem sie zeigen muss, dass sie auch komplett angezogen Menschen aus dem Wasser retten kann. „Nur Tauchen ist durch den Auftrieb nicht ganz so einfach“, erzählt sie. Und kalt sei es trotz der dicken Schicht, wenn sie ins Wasser steige, dessen Temperatur im Moment bei rund 20 Grad liegt. „Früher sind die Schwimmer morgens auch so ins Freibad gekommen, als wir die Becken noch nicht hochgeheizt haben“, erinnert sich Rappsodie-Betriebsleiter Timo Künzel. Durch die Pandemie muss Shila Müller aber nicht nur frieren, sondern hat auch mehr Zeit für die Prüfungsvorbereitungen.

Zweimal pro Woche ist sie wegen der weiterhin geltenden Kurzarbeit im Rappsodie, bekommt dort Unterstützung von erfahrenen Kollegen, wie ihrer Ausbilderin Daniela Finder, die sich vor rund 30 Jahren für den gleichen Beruf entschieden hat. „Früher waren viel mehr Männer als Frauen in der Berufsschule“, erinnert sie sich. Der Unterricht sei außerdem wesentlich umfangreicher geworden. Fächer wie Marketing habe es damals noch nicht gegeben. Wichtig sei damals aber auch neben einem freundlichen und kommunikativen Wesen Verständnis für die Technik eines Bades gewesen. Das bringt Shila Müller auf jeden Fall mit. Die 22-Jährige hat bereits eine Ausbildung als Elektronikerin gemacht. „Davon profitiere ich natürlich teilweise“, erzählt sie. Im DLRG oder im Schwimmverein war sie vorher allerdings nicht Mitglied. „Ich bin aber schon immer gerne geschwommen.“

Wenig Nachwuchs

Geht es nach Timo Künzel und dem Rappsodie-Team, soll Shila Müller übernommen werden. „Das ist auf jeden Fall unser Ziel“, so der Betriebsleiter. Ob ab Herbst bereits der nächste Azubi anfängt, steht hingegen noch nicht fest. Dafür müsste sich überhaupt jemand bewerben. Der Beruf sei vom Aussterben bedroht, sagt Daniela Finder. „Man arbeitet, wenn andere frei haben. Auch am Wochenende und an Feiertagen“, erklärt die Ausbilderin. Das schrecke viele junge Menschen ab. Shila Müller stören diese Arbeitszeiten nicht. Auch der Trubel in den Sommermonaten mit vielen Besuchern sei nicht schlimm. „Ich bin einfach gerne hier.“

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