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Mit viel Energie ans Werk

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„Viele Kunden reagieren erstaunt und begeistert, dass eine Frau wie ich auf dem Bau arbeitet“, erzählt Nina Kästner. „Sie sagen dann, sie hätten noch nie eine Elektrikerin gesehen, oder: ,Machen Sie weiter so!’“ Die 19-Jährige ist bald ausgebildete Elektronikerin der Energie- und Gebäudetechnik bei der ElektroService Kunst GmbH (ESK). Die Neckarsulmer Firma leistet Kundendienst von der Installation von Haustechnik über Ladestationen für E-Fahrzeuge bis hin zu Speicherlösungen für Photovoltaikanlagen. „Elektriker“ sei weiterhin ein geläufiger Begriff – „die offizielle Berufsbezeichnung heute aber ,Elektroniker’“, klärt Nina auf. 

Männerdomäne

99 Prozent der Bewerbungen für Elektriker kommen von Männern, ergab 2019 eine Analyse der Jobbörse „Stepstone“. In der Christian-Schmidt-Schule in Neckarsulm war die Erlenbacherin die einzige Schülerin der Elektrotechnik. Vor zwei Jahren wurde die Azubine dann als eine der besten Nachwuchskräfte in der deutschen Elektronikbranche ausgezeichnet. „Als Frau muss man sich bewusst sein, dass der Job körperlich sehr herausfordernd ist“, sagt die angehende Gesellin, die bald ihren Meister an der gewerblichen Schule in Öhringen machen möchte. „Abends bin ich oft von oben bis unten voller Staub.“ Neben dem Interesse an Technik und Naturwissenschaft – vor allem Mathe und Physik – seien Ausdauer und Kraft wichtig: 20 Kilo schwere Kabeltrommeln müsse man tragen können und Lampen auf zehn Meter hohen Leitern installieren, sagt Nina.

Neben der Elektroinstallation gehört die Fehlerbehebung im Stromkreis, etwa an der Hausklingel mit Kleinspannung von 24 Volt bis zu Anlagen mit 1000 Volt, zu den Haupttätigkeiten von Elektronikern der Energie- und Gebäudetechnik. Nina liebt die handwerkliche Arbeit auf dem Bau: „Es herrscht manchmal ein rauer Ton, aber mit Männern gibt es immer was zu lachen.“  

Hintergrund

Die duale Ausbildung zur Elektronikerin in den drei Bereichen Energie- und Gebäudetechnik, Automatisierungs- oder Informations- und Telekommunikationstechnik dauert dreieinhalb Jahre, kann aber mit Abitur oder bei guten Leistungen wie bei Nina Kästner verkürzt werden. Die Zukunftsaussichten und Aufstiegschancen seien sehr gut, sagt Mike Baranowsky, der zusammen mit Thorsten Lange die Geschäftsführung der ElektroService Kunst GmbH inne hat. 

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