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Pro und Contra: Discounter

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Lebensmittel zum kleinen Preis: Kann man mit ruhigem Gewissen in Discountern einkaufen? Für den kleinen Geldbeutel muss es Auswahl geben, sagt Nils Buchmann, der die Pro-Seite vertritt. Seine Kollegin Bigna Fink hält dagegen: Harte Preiskämpfe gehen auf die Kosten anderer, sagt sie.

Pro Discounter

Das Einkaufsangebot in Deutschland ist riesig – gerade bei Lebensmitteln. Und das ist ein Gewinn. Denn bei einem großen Markt mit großem Angebot kann der Verbraucher selbst entscheiden, was er braucht, wofür er zu zahlen bereit ist. Dass es diese Möglichkeiten gibt, dazu haben Discounter wesentlich beigetragen. Zuallererst natürlich mit ihrer Preispolitik. Wer es sich schlicht nicht leisten kann, regelmäßig auf dem Wochenmarkt oder in der Metzgerei einzukaufen und wer nach der Arbeit unter Umständen auch gar nicht mehr die Möglichkeit dazu hat, der sollte Alternativen haben. Im Discounter wird fündig, wer nicht das nötige Geld für Markenprodukte oder nur abends Zeit zum Einkaufen hat – und dafür sollte man sich keinesfalls schämen müssen.

Inzwischen haben auch fair gehandelte und regionale Produkte in die immer häufiger modern eingerichteten Filialen Einzug gehalten. So haben sich Einkaufserlebnis und Warenvielfalt verbessert.

Doch auch der Blick darüber hinaus ist angebracht: Arbeitsplätze, finanzielle Einnahmen, Bildungschancen sowie Belebung und Modernisierung der Stadt – all das steht gerade in Heilbronn auch in Zusammenhang mit Discountern. Etwas provokant: Wer im Discounter kauft, stärkt die regionale Kaufkraft. Denn was wäre, wenn Kunden die Discounter mieden? Angestellte verlören ihre Jobs, die Angebotspalette würde ausgedünnt, sinkende Steuereinnahmen wären die Folge. Zugleich stiegen andernorts die Preise, weil einer der härtesten Konkurrenten keiner mehr wäre. So stimmt letztlich allein der Verbraucher an der Kasse darüber ab, ob Discounter-Einkäufe vertretbar sind. Da das recht oft der Fall ist, deutet wenig auf quälende Gewissensbisse hin – und das ist auch gut so.  Nils Buchmann

Contra Discounter

Für mickrige 1,19 Euro nimmt der Handel Landwirten derzeit das Kilo Schweinefleisch ab. Bundesweit protestieren Bauern gegen die aggressive Preispolitik der Discounter und für höhere Erzeugerpreise. Aldi, Lidl, Netto und Co sind durch ihre Billigstrategien ein gewichtiger Grund für die Existenznöte der Bauern.
Das wohlhabende Deutschland ist Discounterland: Hierzulande besitzen die Billigheimer mit fast 45 Prozent den europaweit größten Marktanteil im Lebensmitteleinzelhandel: Acht von zehn Deutschen kaufen regelmäßig dort ein. Aufgrund von Skandalen und öffentlichem Druck haben sich bereits die Arbeitsbedingungen der Filialmitarbeiter verbessert. Auch werden nun eine Palette an Bio-, Tierwohl- und Fairtrade-Artikeln angeboten. 2020 veröffentlichte Lidl als erster deutscher Supermarkt eine Liste der Hauptlieferanten für seine Eigenmarken. Klingt super, ist es aber noch lange nicht: Laut Oxfam sind alle Supermarktketten weit entfernt von einer umfassenden Ausrichtung auf Menschenrechte.

Lidl ist der größte Discounterkonzern Europas, sein Heilbronner Gründer und Eigentümer einer der reichsten Deutschen. Die Verantwortung des Handelsriesen hört nicht in der Heimatregion auf. Sich in puncto Menschenrechte nur bei enormem Druck aus der Öffentlichkeit zu bessern, ist schwach. 
Nicht bei Autos, aber bei Nahrungsmitteln ist der Preis das dominante Kaufkriterium der Deutschen. Dazu haben die andauernden Rabattschlachten der Discounter in den vergangenen Jahren erheblich beigetragen. Angemessene Preise für gute Lebensmittel: In Frankreich ist der Grundsatz seit 2019 Gesetz. Billigste Lebensmittel bedeuten, dass andere – seien es Hersteller, Umwelt, Tiere, kleinere Händler oder Mitarbeiter – den wahren Preis dafür zahlen.  Bigna Fink

 

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