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Handwerkliches Geschick ist gefragt

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Mit Pferden ist Ludwig Bauer groß geworden. Seine Eltern betreiben in der Nähe des Ammersees einen Pensionspferdestall, und so war für ihn immer klar, dass er mal einen Beruf erlernen würde, der irgendetwas mit den großen Vierbeinern zu tun hat. Als er dann in der Sattlerei von Steffen Würtz in Haberschlacht ein Praktikum absolvierte, war die Entscheidung gefallen. "Das war saugeil“, sagt der junge Mann. "Mir war sofort klar, dass ich das machen will.“ Vor wenigen Wochen hat er die dreijährige Ausbildung zum Reitsportsattler abgeschlossen. Mit großem Erfolg. Als bester Geselle des Landes vertrat der 21-Jährige Baden-Württemberg beim Bundesentscheid in Bremen – und kam von dort mit Platz drei zurück. 

Unglaubliche Vielfalt

Als "unglaublich vielfältig“, aber auch "fordernd“ bewertet Ludwig Bauer seinen Beruf. Dass ihm handwerkliches Arbeiten so viel Spaß machen würde, hatte er vor seiner Ausbildung gar nicht gewusst. "Du fühlst, was du machst, und du siehst, was du gemacht hast“, sagt er – und empfindet das als sehr befriedigend.

Steffen Würtz kann das gut nachvollziehen. Vor zehn Jahren hat der heute 40-Jährige, der in seiner Freizeit selbst reitet und Pferdekutschen lenkt, die zuvor übernommene Reitsportsattlerei von Brackenheim in seinen Heimatort Haberschlacht verlegt. An der Wand der Werkstatt hängen jede Menge gebrauchte Sättel, die hier repariert und geändert werden. "Pferde verändern sich, sie wachsen und werden muskulöser“, sagt der Sattlermeister. Entsprechend muss der Sattel angepasst werden. Würtz fertigt aber auch neue Sättel an – nach Maß. Zuvor schaut er sich das Pferd "im Stall und in der Bewegung“ an und vermisst es. Dann wird die Passform des Sattels festgelegt. 

"Von ihm konnte ich sehr viel lernen, auch vom Menschlichen her“, sagt Ludwig Bauer über seinen Chef. Was ihm zudem gefallen hat, ist die breite Palette an Arbeiten, die in Haberschlacht gefertigt werden. Beim Blick in den Ausstellungsraum erkennt man neben Sätteln, Halftern und Trensen auch Geldbeutel, Gürtel, Rucksäcke. Oder Ledertaschen für Kaminholz. "Wir machen aber inzwischen auch Motorradsitzbänke oder nähen mal eine neue Scheibe in ein Schlepperverdeck rein“, sagt Steffen Würtz.

Fachkräftemangel

Genau diese Vielfalt hat Ludwig Bauer Spaß gemacht. "Das war total interessant“, sagt er. Und so hat er sich richtig reingehängt bei der Arbeit. Würtz ist jedenfalls voll des Lobes über seinen Azubi, dem er nicht nur großes handwerkliches Geschick bescheinigt. "Man hat sofort gemerkt: Der will den Beruf wirklich erlernen.“ Nicht zuletzt sei er "jeden Tag gut drauf“ gewesen. "Die Kunden haben den Ludwig geliebt“, sagt Würtz. 

Entsprechend ungern lässt er ihn ziehen. Doch der 21-Jährige ist ehrgeizig, will "noch was sehen, noch mehr Input bekommen“. Und so fängt er in Kürze bei der Firma Hitack auf der Schwäbischen Alb an. Die ist auf Westernsättel spezialisiert. Eine Stelle zu finden, war für den jungen Mann kein Problem – nicht nur wegen seiner guten Noten. "Ludwig könnte mit seinem Gesellenbrief in der Tasche überall anfangen“, sagt Steffen Würtz. "Der Fachkräftemangel ist dramatisch.“

Das hat auch damit zu tun, dass viele Betriebe der eher kleinen Branche nur unzureichend ausbilden. Würtz selbst gibt interessiertem Nachwuchs seit Jahren eine Chance. Aktuell beschäftigt er mit Sonja Keller (drittes Lehrjahr) und Marina Asal (erstes Lehrjahr) gleichzeitig zwei Lehrlinge. 

 

 

 

 

 

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