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Pflege in Hohenlohe statt Statistik in Nigeria

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Eigentlich wollte Wisdom Omoifoh Statistiker werden. Dieses Studium hat er in Nigeria abgeschlossen und anschließend im Management eines dortigen Krankenhauses gearbeitet. Dann kam er nach Deutschland und sein Studium war hier nichts mehr wert. Inzwischen befindet er sich im zweiten Jahr seiner Ausbildung zum Altenpfleger. Das Schöne daran: Er liebt seinen Job und blüht auf im Kontakt mit Menschen.

Hoch motiviert

Sein Weg nach Deutschland war für ihn eine sehr schlimme Erfahrung. Die Erinnerungen seien schwer zu verarbeiten. "Es war sehr hart für mich“, erzählt er. Zunächst lebte er in Mannheim, nach vier Monaten hat ihn die Ausländerbehörde nach Kupferzell geschickt. Bereits nach sechs Monaten in Deutschland und intensiven Deutschkursen hat er seine Ausbildung begonnen.

Seine Motivation, Altenpfleger zu werden, ist groß. Ihm gefalle der Beruf, da er sehr gerne mit Menschen arbeite und die Möglichkeit bekomme, die Gesellschaft zu unterstützen. "Es erfüllt mich, denjenigen helfen zu können, die meine Hilfe brauchen", strahlt der 22-jährige.

Sprachliche Probleme

Während der Ausbildung sei insbesondere die Sprachbarriere eine Herausforderung gewesen: "Besonders am Anfang war die Kommunikation schwierig. Das kann schon frustrierend sein, wenn ich helfen will und man sich gegenseitig schlecht versteht." Auch der Dialekt sei für ihn erst einmal ungewohnt gewesen. Doch sein Ziel, die Ausbildung erfolgreich abzuschließen, sei größer als alle Hürden und gleicht diese mit noch größerem Fleiß aus: "Ich lerne Deutsch in jedem Moment und jeden Tag“, erzählt er.

Die Sprachbarriere habe zu Beginn auch dazu geführt, dass die Menschen in seiner Umgebung eher distanziert waren. "Wenn sie aber sehen, dass ich gute Absichten habe und eine gute Leistung bringe, nähern sie sich Stück für Stück an“, berichtet er.

Schlechte Erfahrungen habe er bisher keine gemacht. Im Gegenteil: "Ich habe den Eindruck, dass die Menschen sehr gerne helfen. Besonders meine Lehrerin in der Volkshochschule hat mich sehr unterstützt“, berichtet Omoifoh. Auf seine Hautfarbe habe er bereits ein paar Reaktionen bekommen, doch da verstehe er Spaß. "Einmal hat mich jemand gefragt, ob ich zu lange in der Sonne war“, erzählt er.

Mangel an Fachkräften

Natürlich vermisse er seine Familie in Nigeria. Doch er möchte sein Bestes geben, eine gute Leistung bringen und ein Vorbild für andere Asylbewerber sein: "Was ich in Deutschland tue, ist gut. Davon bin ich überzeugt.“ Auch Krankenschwester Andrea Glass bestätigt: "Wisdom ist ein sehr zuverlässiger Schüler und eine Bereicherung für uns alle.“

Wisdom Omoifohs Arbeit in der Altenpflege ist wertvoll. Denn: Gerade in diesem Bereich fehlen Fachkräfte. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung und damit auch der Personalbedarf in der Pflege. Doch für viele ist der Beruf zu unattraktiv. Das, so ver.di-Sprecher Jan Jurczy jüngst in der Tagesschau, sei sowohl der starken körperlichen und psychischen Belastung als auch der schlechten Bezahlung geschuldet. Der Pflegenotstand ist ausgerufen, das Thema beschäftigt die Menschen – und das zu Recht.

 

 

 

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