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Verwirrendes Zahlenspiel

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Das passt auf den ersten Blick gar nicht zusammen: Im Hohenlohekreis, dem wirtschaftsstarken Zentrum vieler Weltmarktführer, liegt die Arbeitslosenquote bei den jungen Menschen unter 25 Jahren deutlich höher als in Baden-Württemberg. Das zeigen Statistiken aus dem Jahr 2017 – trotz "Top-Arbeits- und Ausbildungsmarkt“, ergänzt Siegfried Kletzander von der Arbeitsagentur Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim.

Hohe Quote

Die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen lag 2017 im Land bei 8,3 Prozent. Im Hohenlohekreis bei 9,1 Prozent. Noch krasser ist der Unterschied, wenn man die jungen Erwachsenen betrachtet, die von Hartz IV abhängig sind. Während im Land 7,2 Prozent der jungen Menschen unter 25 Arbeitslosengeld II bezogen, waren es im Hohenlohekreis 9,6 Prozent. Wie kann das sein? Das fragt man sich im Jugenhilfeausschuss des Hohenlohekreises und bittet den Fachmann von der Arbeitsagentur um Aufklärung.

Grund zur Sorge müssen die 2017er Zahlen indes nicht sein. "Man muss die konkreten Zahlen dahinter sehen“, betont Kletzander und beruhigt damit die Gemüter im Jugendhilfeausschuss. Hinter den überdurchschnittlichen 9,1 Prozent Jugendarbeitslosigkeit verbergen sich lediglich 152 Jugendliche. Noch deutlicher fällt der Unterschied zwischen Prozent- und konkreten Zahlen bei den jugendlichen Hartz-IV-Empfängern aus: 76 junge Menschen ohne Arbeit und Ausbildung machen diese 9,6 Prozent aus. "Da erinnere ich mich an ganz andere Zahlen in den 90er Jahren“, sagt Kletzander. Damals seien 200 bis 300 junge Menschen beim Jobcenter gemeldet gewesen.

Der Hauptgrund für die auf den ersten Blick hohe Jugendarbeitslosigkeit im Kreis ist "die überproportional große Aufnahme von jungen Geflüchteten in den Jahren 2015 und 2016 gewesen“, weiß Kletzander. 44 der 76 jugendlichen Hartz-IV-Empfänger sind junge Syrer. Der Hohenlohekreis hat in diesen Jahren deutlich mehr Geflüchtete aufgenommen als er nach dem Königsteiner Schlüssel hätte aufnehmen müssen.
"Dass er das auf sich genommen hat, dafür gebührt dem Hohelohekreis Lob und Ehre“, so Kletzander. Zumal viele der Geflüchteten nach erfolgreicher Integration bereits in den Arbeitsmarkt im Hohenlohekreis eingegliedert seien.

 

Erfolgreiche Integration

Hier wiederum mache sich nicht nur der gute Arbeits- und Ausbildungsmarkt in Hohenlohe, sondern auch das Integrationsnetzwerk Hohenlohe-Main-Tauber positiv bemerkbar. Das lässt sich auch durch konkrete Zahlen belegen: Im April 2016 waren 59 junge junge Syrer unter 25 Jahren beim Jobcenter gemeldet und bezogen Hartz IV. Diese Mittel können sie indes erst beantragen, wenn sie ihre Integrationskurse erfolgreich abgeschlossen haben. Im Juni 2017 waren es nur noch 44, und ein Jahr später, im Juni 2018, leben lediglich noch 26 von Arbeitslosengeld II. Alle anderen sind in Ausbildung oder in Arbeit.

Fazit des Zahlenspiels: Was zunächst als Problem erscheint, wird auf den zweiten Blick gar zum Beleg einer durchaus                                                                                 erfolgreichen Integrationspolitik in Hohenlohe.

 

 

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