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Ausbildung geht trotz Corona

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Große Herausforderungen“ sieht Detlef Schulz-Kuhnt von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Heilbronn-Franken durch die Corona-Pandemie auch für die Ausbildungsbetriebe im Hohenlohekreis. Viele Unternehmen stünden vor existenziellen Problemen. Das Thema Ausbildung verliere in dieser Ausnahmesituation nicht selten an Bedeutung. Schulz-Kuhnt unterfüttert das mit Zahlen: Ende Juni lagen die neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse in der Region Heilbronn-Franken bei 2410. Das entspreche im Vergleich zum Vorjahr einem Minus von 13 Prozent. Man gehe aber davon aus, dass sich dieses Minus noch abschwächt.

Digitalisierung in der Ausbildung

„Das wäre definitiv das falsche Signal“, sagt Stephan Müller, Geschäftsführer der Gemü-Gruppe mit Sitz in Ingelfingen. Der führende Hersteller von Ventil-, Mess- und Regelsystemen werde garantiert „nicht die Ausbildungsquote nach unten fahren“, versichert er. Aktuell beschäftigt das Unternehmen 89 Azubis und duale Studenten. Im September fangen weitere 24 junge Menschen bei Gemü an.

Ändern werde sich wegen Corona aber die Art und Weise, wie junge Leute mit ihrem künftigen Beruf vertraut gemacht werden. „Wir sind dran, die Digitalisierung in der Ausbildung voranzutreiben“, sagt Müller. Gemü investiere „seit zwei, drei Jahren massiv in solche Themen“ und habe das „schon vor Corona gepuscht“. Das habe jetzt „echten Benefit gebracht“, man sei gerüstet.

Freie Ausbildungsplätze 

Auch für die Albert Berner Deutschland GmbH hat sich trotz Corona am Stellenwert der Ausbildung nichts geändert. Keine Auszubildenden oder dualen Studenten aufzunehmen, „ist der falsche Weg und kommt für uns keinesfalls infrage“, erklärt Geschäftsführer Joachim Kürten in einer Pressemitteilung des Künzelsauer Unternehmens für Befestigungs- und Montagetechnik. Personalleiterin Judith Blaschka ergänzt: „Wir wollen uns künftig noch breiter aufstellen.“ In den letzten zwei Jahren wurden im Schnitt je 13 Azubis eingestellt, dieses Jahr sollen es bis zu 24 sein. Noch seien einige Plätze frei und man könne sich dafür noch bewerben, heißt es bei Berner.

Die EBM-Papst-Gruppe mit Hauptsitz in Mulfingen, weltweit führender Hersteller von Ventilatoren und Antrieben, geht mit 70 Plätzen für Azubis und Studenten ins neue Ausbildungsjahr. Innerhalb der MINT-Studiengänge seien noch einzelne Plätze verfügbar. Für 2021 laufe die Bewerbungsphase bereits, die Zahl der Plätze bleibe gleich.

Bernd Ludwig, Aus- und Weiterbildungsleiter, erklärt: „Aufgrund der Corona-Pandemie stellen wir derzeit eine gewisse Unsicherheit fest und dadurch auch eine Zurückhaltung beim Bewerbungseingang.“ Die Bedenken seien aber unbegründet. EBM-Papst werde langfristig am Ausbildungsniveau festhalten und den jungen Menschen auch nach der Ausbildung „eine gute Perspektive“ bieten, so Ludwig.

Mehr fehlende Bewerber 

Für die Agentur für Arbeit in Tauberbischofsheim erklärt Pressesprecherin Verena Kraus: „Ausbildung ist für die Unternehmen auch im Hohenlohekreis nach wie vor ein wichtiges Standbein zur Gewinnung von künftigen Fachkräften.“ Zwar sei eine Unsicherheit über die Entwicklung spürbar.

Doch trotz Corona sei es für die meisten Betriebe keine Option, die Ausbildung ab Herbst nicht starten zu lassen. Allerdings könnten wie schon vor der Corona-Pandemie manche Ausbildungsplätze wegen fehlenden Bewerbern nicht besetzt werden. 434 junge Menschen hätten sich 2020 für einen Ausbildungsplatz gemeldet, 15,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Juli hätten 167 Bewerber bislang keinen Ausbildungsplatz gefunden oder sich für Alternativen entschieden, 13,5 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

Mit Blick auf die Zukunft sagt Kraus, bereits jetzt würden freie Ausbildungsstellen für 2021 gemeldet. Die meisten Betriebe seien zuversichtlich. Einige befürchteten aber, dass sich Corona stärker auf den Ausbildungsbeginn 2021 auswirken könnte als 2020. Deshalb könne derzeit keine fundierte Prognose getroffen werden.

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