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Schwierige Suche nach einer Lehrstelle

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Corona bringt die aktuelle Ausbildung durcheinander, auch in der Region. Es gefährdet den Abschluss neuer Ausbildungsverträge, Lehrstellen fallen weg, die Zukunft vieler Schulabgänger ist ungewiss. Hauptschüler haben es besonders schwer, in der derzeitigen Lage eine Lehrstelle zu finden. 

Robin Gutyan aus Schwaigern etwa möchte Bademeister werden und sucht händeringend eine Ausbildungsstelle als Fachangestellter für Bäderbetriebe. Eine Familientradition, schließlich heißt sogar das Gemminger Freibad nach seinem Großvater und Gründer Imre-Gutyan-Freibad. Auch er war Bademeister. In normalen Zeiten ein gefragter Beruf. Das Freibad Langenbrettach konnte vor einigen Jahren fast nicht aufmachen, weil ihm der Bademeister fehlte. Der kam dann nach breit angelegter Suche extra aus dem Schwarzwald für die Sommersaison.

„Ich will das unbedingt machen“, sagt Robin Gutyan. „Aber kein Bad weiß derzeit, wie es weitergeht.“ Kommunen wie Eppingen haben ihre Lehrstelle zurückgezogen. „Wir hatten eine Daueranzeige, aber momentan genug Personal. Corona hat vielleicht den letzten Anstoß gegeben, sie zurückzuziehen“, sagt Eppingens Sprecherin Cathrin Leuze. Robin Gutyans Mutter ist enttäuscht. „Er hängt in der Luft.“

Keine Absagen auf Bewerbungen 

Ähnliche Erfahrungen hat auch Elia-Noel Iacovelli gemacht. „Ich habe das Gefühl, die Firmen brechen zusammen. Während der Corona-Zeit bekomme ich noch nicht mal mehr Absagen“, sagt der 17-Jährige, der den Werkrealschulabschluss macht. Mechatroniker oder Industriemechaniker möchte er werden. Eine Zusage hatte er sogar schon in der Tasche – coronabedingt klappte es doch nicht. „Den Kopf in den Sand stecken, geht aber nicht“, findet er. „Ich kann nicht nichts machen.“ 

14 Jahre alt ist Egzon Demhasaj, auch er geht in die Rosenauschule und macht gerade seinen Hauptschulabschluss. Er hofft auf ein Praktikum. Seine Erfahrung: „Die Betriebe haben Angst, jemanden in die Firma zu lassen."

Gerade das ist ein großes Problem, weiß Berufseinstiegsbegleiter Walter Gesele. „Besonders etwas schwieriger zu vermittelnde Schüler sind angewiesen auf Praktika, weil es manchmal die Noten nicht hergeben. Aber während der Corona-Zeit holt sich kein Mensch ein zusätzliches Risiko ins Haus. Außerdem bedeutet das immer einen zusätzlichen Bedarf an Zuwendung.“

Die Folgen

Entscheidungen bezüglich der Lehrstellen sind ausgeblieben. Auch jetzt in den Pfingstferien herrsche noch große Unsicherheit. „Bewerbungsgespräche sind auf unbestimmte Zeit verschoben. Gefühlt läuft uns die Zeit davon.“ In der Neckarsulmer Schreinerei Ihle gilt die Devise: Ohne Praktikum keine Lehrstelle. Die Angst vor Ansteckung sei da, sagt Geschäftsführer Wolfgang Ihle. „Dann kann ich meinen Betrieb schließen.“

Wie ermöglicht man also derzeit Praktika und führt Bewerbungsgespräche? Die Unsicherheit bleibt. Nur ein Lehrling nimmt im Herbst seine Arbeit auf, üblicherweise sind es zwei. „Einfach, weil ich schlecht abschätzen kann, wie es weitergeht“, sagt der Chef von 25 Mitarbeitern. Den Vertrag mit seinem künftigen Azubi, einem Hauptschüler, hat er während der Corona-Zeit geschlossen.

Lehrer helfen ihren Schülern

Viele Schulen, wie etwa die Wolf-von-Gemmingen-Schule in Gemmingen engagieren sich, ihre Jugendlichen unter zu bekommen. „Wir Klassenlehrer kümmern uns intensiv darum und stehen in Kontakt mit den Eltern“, sagt Lehrer Andreas Gatti. Traditionell seien kleinere Betriebe wie Bäckereien oder Arztpraxen später dran mit der Vergabe der Ausbildungsplätze, weiß auch Walter Gesele. „Ich hoffe sehr, dass der ein oder andere dann noch etwas findet.“ 

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