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So hoch ist die Gender-Pay-Gap im Heilbronner Land

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Das Heilbronner Land und der Hohenlohekreis hinken im deutschlandweiten Vergleich in Sachen Gleichberechtigung hinterher. So verdienten Frauen 2019 im Landkreis Heilbronn 26 Prozent weniger und im Hohenlohekreis mehr als 18 Prozent weniger als Männer. Im Stadtkreis Heilbronn liegt diese in der Fachsprache Gender-Pay-Gap (GPG) genannte Lücke bei 14 Prozent. Und in Baden-Württemberg verdienen Frauen 19 Prozent weniger als Männer – weniger als in allen anderen Bundesländern. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Gehaltsunterschied im Schnitt bei rund 12 Prozent.

Stellenwert

Warum ist das so? Für Katharina Kaupp, Bezirksgeschäftsführerin der Verdi Heilbronn-Neckar-Franken, hängt der Gehaltsunterschied damit zusammen, wie Berufe entlohnt werden, die meistens entweder als „Frauenarbeit“ oder „Männerarbeit“ gedeutet werden. Ein Gefälle, das in einer Industrieregion wie Heilbronn und dem Hohenlohekreis besonders deutlich wird. Auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung kommt in einer Studie aus dem Jahr 2017 zu dem Schluss, dass der Gehaltsunterschied von Männern und Frauen in Industrieregionen höher ausfällt.
„Wir müssen uns fragen, warum die klassischen Frauenberufe in der Pflege oder der Erziehung in unserer Gesellschaft, gemessen an der Bezahlung, einen so schlechten Stellenwert haben“, sagt Kaupp.

Als Beispiel zieht sie einen Vergleich zwischen der Automobilbranche und der Pflege: In den Fabriken werde meist in drei Schichten gearbeitet, genau wie in der Altenpflege. „Pflegerinnen begleiten alte Menschen und versorgen sie. Die Arbeit ist körperlich anstrengend.“ Trotzdem müsse in der Pflege gegen schlechte Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne gekämpft werden.

Kaupp gehe es dabei nicht um eine Neiddebatte, oder darum, Metall- gegen Pflegeberufe auszuspielen: „Das Gehalt muss auf einer Seite erhöht werden“, sagt die Gewerkschafterin. Die Ursache für die ungleiche Bezahlung liege in einer von Männern bestimmten Gesellschaftsordnung, sagt Kaupp: „Früher haben Frauen Pflege- und Erziehungsaufgaben im Familienverbund durchgeführt.“ Ihre Arbeit beschränkte sich auf den häuslichen Bereich und war daher unsichtbar. Ein Modell, das sich vor allem mit der Entwicklung des Kapitalismus und der bürgerlichen Gesellschaft im 19. Jahrhundert festsetzte.

Tarifverträge

Für Katharina Kaupp führen flächendeckende Tarifverträge aus diesem Dilemma: Die klassischen „Frauenberufe“ in Pflege und Erziehung müssten sich wie die klassischen „Männerberufe“ in der Industrie in Gewerkschaften organisieren. Wichtig sei der Abschluss von Tarifverträgen. Diese könnten auch helfen, ungleiche Bezahlung zu verhindern.

Eine Gehaltstabelle zeige klar auf, wer aufgrund seiner Qualifikation und Erfahrung in welche Gehaltsgruppe einzuordnen sei. „Da ist eine Diskriminierung von Geschlechtern dann einfacher zu erkennen“, sagt Katharina Kaupp.  

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