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Tattoos und Piercings: ein No-Go?

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Körperschmuck wie Tattoos oder Piercings sind längst gesellschaftsfähig geworden. Doch können sie in einem Bewerbungsgespräch zum Problem werden? Ulrike Straub-Leibbrand, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit Heilbronn, erklärt, welche Rolle Aussehen und Geschlecht spielen.

„Der erste Eindruck zählt“: Stimmen Sie dem mit Blick auf die Jobsuche zu?
Ulrike Straub-Leibbrand: Grundsätzlich ja. Der erste Eindruck entscheidet über den Verlauf des Gesprächs. Aber der letzte Eindruck ist der bleibende. Entscheidend ist deshalb, dass ich das Gespräch gut abschließe.

Haben Sie Tipps, wie man einen guten ersten Gesamteindruck hinterlassen kann?
Straub-Leibbrand: Für mich fängt alles mit der Vorbereitung an. Der Bewerber sollte sich auf die Fragen einstellen, seine Unterlagen und etwas zum Schreiben dabeihaben. Und er sollte auf sein Äußeres achten. Kleider machen Leute. Das bedeutet: gepflegt aufzutreten, keine zerrissenen Jeans zu tragen und frisch geduscht zu sein. Die Kleidung sollte ordentlich und sauber sein. Oft wird vergessen, die Schuhe zu putzen.

Warum ist das Aussehen so wichtig?
Straub-Leibbrand: Jemand hat mich eingeladen und schenkt mir seine Zeit. Es ist eine Wertschätzung dem Personaler gegenüber, wenn der Bewerber gepflegt und vorbereitet zum Gespräch kommt.

Woher weiß ich, welcher Dresscode gilt?
Straub-Leibbrand: Ein Blick auf die Website der Firma kann einen ersten Eindruck verschaffen und bei der Entscheidung, was man anziehen sollte, helfen.

Was ist mit Tattoos und Piercings – sind die immer noch ein No-Go?
Straub-Leibbrand: Vieles ist lockerer geworden. Piercings kann man zum Beispiel ganz gut für ein Vorstellungsgespräch und bei einer möglichen Zusage während der Arbeit rausmachen. Das ist ein Kompromiss. Ein großes Tattoo am Hals ist da schon schwieriger. Als Werkzeugmechaniker ohne Kundenkontakt spielt das keine so große Rolle wie bei einem Bankkaufmann oder einem Berater.

Es ist also keine gute Idee, seine Tattoos im Vorstellungsgespräch zu verstecken?
Straub-Leibbrand: Nein. Man sollte gerade in kundenorientierten Berufen oder in der Pflege mit offenen Karten spielen. Es gibt Berufe mit strengen Hygiene-Vorschriften, in denen Schmuck oder lackierte Fingernägel untersagt sind. Wenn sich der Bewerber mit diesen Einschränkungen nicht arrangieren kann, sollte er einen anderen Beruf wählen.

Inwieweit spielt das Geschlecht bei Vorstellungsgesprächen eine Rolle?
Straub-Leibbrand: Jeder Personaler wird versichern, dass das Geschlecht keine Rolle spielt. Unbewusst tut es das aber schon, auch wenn es sich nicht nachweisen lässt. In der Summe ist es bestimmt nicht mehr so streng wie früher, und es gibt Berufe, da schauen Personaler oft auf eine Mischung. Aber es gibt eben auch Berufe, in denen Personaler ein Geschlecht bevorzugen würden. Wo genau, ist schwer zu sagen.

Jungen Frauen wird tendenziell ein Kinderwunsch zugeschrieben, wenn auch unbewusst. Werden sie bei der Jobsuche grundsätzlich benachteiligt?
Straub-Leibbrand: Es gibt eine positive Entwicklung, neue Arbeitszeitmodelle oder Betriebe machen die Gegebenheiten für junge Familien passend. Ich nehme wahr, dass Firmen familienfreundlicher und aufgeschlossener geworden sind. Und man muss beachten, dass die junge Generation der Väter vermehrt Elternurlaub nimmt. Arbeitgeber fahren also nicht besser damit, lieber Männer einzustellen.  

Hintergrund

Ulrike Straub-Leibbrand ist Berufsberaterin vor dem Erwerbsleben und deswegen oft bei Abschlussklassen oder Berufsschulen zu Besuch, um Vorträge zu halten und Fragen zu beantworten. Wegen der Corona-Pandemie findet der Großteil der Beratungen online statt. In der Veranstaltungsdatenbank der Agentur für Arbeit gibt es zudem zahlreiche Angebote. Etwa, wie man ein Bewerbungsschreiben richtig angeht und was bei Online-Vorstellungsgesprächen zu beachten ist. 

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