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Zweite Chance auf die passende Lehrstelle

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Es gab weniger Ausbildungsplätze im Corona-Jahr 2020 in Baden-Württemberg. Allerdings gab es auch weniger Bewerber. Insgesamt ging es weniger zurück als befürchtet, erklärte Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) nach dem Spitzengespräch mit Vertretern von IHK, Handwerkskammer, der Agentur für Arbeit und des DGB. Und damit möglichst wenige Interessenten ohne Lehrstelle zurückbleiben, soll es einen zweiten, zeitversetzten Ausbildungsstart im Februar geben. 

Regionale Zahlen

In Heilbronn-Franken überstieg die Zahl der Ausbildungsstellen, die bei den Arbeitsagenturen gemeldet waren, die Zahl der Bewerber rechnerisch deutlich. Dennoch hat die Pandemie den Ausbildungsmarkt auch hier deutlich beeinträchtigt. 732 Ausbildungsstellen blieben unbesetzt. 78 Bewerber blieben unversorgt, 50 mehr als im Vorjahr. Bezogen auf Baden-Württemberg erklärte Hoffmeister-Kraut zu den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen: „Im IHK-Bereich fällt der Rückgang um 14,4 Prozent noch stärker aus als im Handwerk, das einen Rückgang um 6,7 Prozent verzeichnet.“ 

Für eine Ausbildung ist es noch nicht zu spät. Die Nachvermittlung läuft noch das ganze Jahr. Zudem starten die Partner des Ausbildungsbündnisses Baden-Württemberg einen Modellversuch für einen zweiten, zeitversetzten Ausbildungsstart. Damit gibt es die Möglichkeit, im Februar 2021 in das Ausbildungsjahr einzusteigen. „Wir müssen in der Pandemie alles tun, um in junge Menschen und damit in die Zukunft zu investieren“, kündigte Hoffmeister-Kraut an. Lob gab es dafür auch vom DGB-Landesvorsitzenden Martin Kunzmann, der betonte: „Wer heute nicht ausbildet, dem fehlen morgen die Fachkräfte.“

Hoffmeister-Kraut wies auch darauf hin, dass in Baden-Württemberg zuletzt noch 8158 Ausbildungsplätze unbesetzt waren. Ähnlich viele Bewerber blieben ohne Lehrstelle, allerdings kamen die meisten von ihnen anderweitig unter. Immerhin 1265 blieben aber unversorgt, 21 Prozent mehr als im Vorjahr.

Der Aufholeffekt war groß, nachdem es im Frühjahr schlecht ausgesehen hatte. Das Handwerk in Heilbronn-Franken meldete im April noch ein Minus von 20,3 Prozent bei den neu eingetragenen Lehrverträgen. Ende Oktober waren schließlich 1672 neue Ausbildungsverhältnisse eingetragen, ein Minus von 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Boom auf dem Bau

Ausbildungsleiterin Kerstin Lüchtenborg führt dies auf mehrere Faktoren zurück: Berufsorientierung und Praktika waren im Frühjahr kaum möglich, manche Branchen wie Friseure, Konditoren oder Bäcker leiden und litten unter den Schließungen während der Corona-Krise. Dafür boomt es in Branchen wie dem Bau. Welche Berufe sich besser, welche sich schlechter entwickelten, werde aber erst zum Jahresende betrachtet. Für viele Betriebe bleibe die eigene Ausbildung wichtig, sagt Lüchtenborg: „Fachkräftemangel ist nach wie vor ein großes Problem.“ 

Erschwerte Bedingungen

„Das Matching ist in diesem Jahr Corona-bedingt deutlich erschwert“, befand die regionale DGB-Gewerkschaftssekretärin Silke Ortwein. „Praktika und Schulbesuche durch die Agentur konnten kaum oder nur unter erschwerten Bedingungen stattfinden.“ Jürgen Czupalla, Leiter der Agentur für Arbeit Heilbronn, ergänzte: „Eltern konnten aufgrund der vielfältigen Belastungen durch die Pandemie ihre Kinder bei der Berufswahl nicht im sonst üblichen Umfang unterstützen.“ Nun sollen vermehrt Online-Veranstaltungen zur Berufsorientierung dazu beitragen, dass sich die Jugendlichen ein möglichst umfassendes Bild von Beruf und Ausbildung machen können.

Die Corona-Hilfen des Bundes trugen nach Überzeugung von Hoffmeister-Kraut entscheidend dazu bei, Ausbildungsplätze zu erhalten. Weniger ins Gewicht fielen nach ihrer Überzeugung aber die Ausbildungsprämien des Bundes, auch wenn das Handwerk offenbar dankbar dafür war. „Wir sehen da im Verhältnis nicht den großen Effekt“, sagte Hoffmeister-Kraut. Christian Rauch, der baden-württembergische Regionalchef der Bundesagentur für Arbeit, zählte 2000 Anträge auf solche Prämien, von denen bis dato 361 abgelehnt wurden.

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