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Eine warme Dusche ist Luxus

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Ein Schüler, der seine Matheaufgabe löst. Ein dankbares Lächeln der Kinder, wenn man ihnen einfach nur zuhört oder mit ihnen spielt. Eine Entschuldigung für ein Foul beim Fußballspielen – "die positiven Veränderungen, die man bewirkt, passieren in kleinen Dingen". Darüber ist Daniel Klawitter sehr froh.

Seit Oktober 2015 arbeitet der Talheimer ehrenamtlich in Nepal. Mit Waisenkindern, um die sich die Organisation "Haus der Hoffnung" aus Schwäbisch Gmünd kümmert. "Ich habe unheimlich viel über mich selbst erfahren", meint der 20-Jährige, weshalb er jedem jungen Menschen die Erfahrung eines solchen Auslands-Praktikums nur empfehlen kann. Ende Februar ist seine Zeit in Kathmandu zu Ende.

Die hat den Talheimer, der im vergangenen Jahr sein Abitur bestanden hat, sehr verändert. Er mache sich weniger Gedanken über Kleinigkeiten und Nebensächlichkeiten, merke, dass er bescheidener werde, materielle Dinge langsam aus dem Fokus wanderten. Angesichts der Lebensumstände, mit denen er in der nepalesischen Hauptstadt konfrontiert ist, kein Wunder.

Armut

Es mangele an vielen alltäglichen Gütern wie Nahrung, Benzin, Gas oder Medikamenten, nicht nur, weil das Land zu den ärmsten der Welt gehöre. Das katastrophale Erdbeben im Frühjahr 2015, Unruhen durch die neue Verfassung und die gekappten Warenimportwege von Indien her nennt der Talheimer als weitere Gründe, die die Situation verschärften. Die warme Dusche nach seiner Ankunft im Oktober sei ein seltener Luxus gewesen angesichts der täglich verhängten Stromsperren und Probleme bei der Wasserversorgung. "Man gewöhnt sich erstaunlich gut an die Lebensbedingungen", mailt Klawitter an die Heilbronner Stimme. Auch an die Kakerlaken, die man nachts über den Boden krabbeln höre.

Die Verpflegung sei für nepalesische Verhältnisse ausgesprochen gut: jeden Morgen und Abend gebe es Reis mit Bohnen. Die Einheimischen lebten von Tag zu Tag, von der Hand in den Mund. "Ich finde es sehr eindrucksvoll, wie Nepalesen morgens auf dem Gehweg ihr Frühstück zubereiten und mich trotz ihrer Armut freundlich grüßen."

Herzlich und offen hätten ihn auch die Waisenkinder empfangen. Etwa 90 an der Zahl zwischen vier und 16 Jahren leben in den beiden einfach ausgestatteten Häusern der Organisation. Elf Betreuer kümmern sich um sie. Für Praktikant Daniel Klawitter heißt es an den Schultagen, um 5 Uhr aufzustehen – das ist eine große Umstellung für ihn gewesen. Dann lernt er mit den Kindern, hilft ihnen bei den Hausaufgaben – das wiederholt sich dann nach Rückkehr aus der Schule und vor dem Abendessen. Oft würden die Kinder nur vier Stunden schlafen, um 2 Uhr zum Lernen aufstehen. "Eine solche Motivation bei Kindern habe ich in Deutschland nur selten erlebt", beschreibt Klawitter seinen großen Respekt vor diesem Fleiß und Eifer.

Englisch

Da die Waisenkinder eine "English Boarding School" besuchen, kann die Hausaufgabenbetreuung auch in Englisch erfolgen. "Ich habe wenige Wörter Nepali gelernt", berichtet der 20-Jährige, der die Zeit mit seinen Schützlingen und den anderen Praktikanten genießt, auch das gemeinsame Volleyball- und Fußballspielen.
Was vermisst er? Neben Freundin, Familie und Freunden eine warme Dusche, Maultaschen, Schnitzel, Privatsphäre und gesunde, frische Luft zum Joggen, lautet die Antwort. "Hier in Kathmandu herrscht konstanter Smog."

Klawitter schildert eine "sehr rührende Erfahrung": wie die Kinder gestrahlt, gelacht, gejubelt und getanzt haben, nachdem sie andachtsvoll ihr Snickers – zwei Mal im Jahr (!) bekommen sie einen Schokoriegel – geöffnet, hinein gebissen und den Rest teilweise an den Nebensitzer verschenkt haben. Der Talheimer weiß, dass ihm der Abschied schwer fallen wird. "Ich habe mir vorgenommen, die Offenheit und Freundlichkeit der Kinder in Deutschland weiterzugeben."

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