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Ausflug nach Afrika

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Ein Freiwilliges Soziales Jahr im örtlichen Kindergarten, Work and Travel in Australien oder ein Studium der Betriebswirtschaftslehre – alles beliebte und sicher keine schlechten Möglichkeiten, nach dem Schulabschluss einen neuen Lebensabschnitt einzuläuten. Doch meine Vorstellungen und Wünsche deckten sich im vergangenen Jahr nur gering mit denen meiner Altersgenossen, ich hatte andere Pläne. Ich wollte mir nach dem Abitur endlich einen jahrelangen Traum verwirklichen: eine Reise nach Afrika.

"Wieso ausgerechnet Afrika?“ – keine seltene Frage in den Monaten vor meiner Abreise. Viele verbinden mit dem Kontinent kaum mehr als Hungersnöte, Armut, Kriminalität und Aids. Doch für mich bedeutet Afrika mehr. Mich fasziniert die fremde Kultur, die andere Lebensart. Ich wollte losziehen, um mir mein eigenes Bild zu machen.

Großer Traum

Zum Traum Afrika kam noch ein weiterer Traum: Ich wollte im journalistischen Bereich tätig sein. Ob Fernsehen, Radio oder weiterhin bei der Zeitung, war mir in erster Linie egal. Ideal wäre ein Praktikum auf Deutsch, in einem halbwegs sicheren Land, in dem ich mich in der Freizeit auf Englisch durchschlagen konnte. Einige Recherchen und Mailwechsel später stand fest: Ich würde für vier Monate nach Namibia  gehen, um in Windhoek beim deutschen Radioprogramm der Namibian Broadcasting Corporation (kurz: NBC) zu arbeiten.

Im Südwesten Afrikas gelegen, erstreckt sich Namibia über eine Fläche, die etwa doppelt so groß ist wie Deutschland. Allerdings leben im gesamten Land, das seit 1990 unabhängig ist, weniger Menschen als in Berlin. Neben Englisch als Amtssprache verteilen sich mehr als 20 weitere Sprachen in der Nation. Namibia ist in vielerlei Hinsicht ein sehr kontrastreicher Staat. Im Westen berührt der Atlantik die mächtigen Sanddünen der Namib, der ältesten Wüste der Welt. Kahle Einöden wechseln sich ab mit einer bunten Tierwelt, pulsierendes Leben trifft auf vollkommene Stille. Während die Temperaturen in manchen Regionen auf mehr als 40 Grad Celsius klettern, kann es wenige hundert Kilometer weiter neblig und eisig kalt werden.

Auch gibt es schreckliche Armut in Namibia, und es ist sicher wichtig, diese anzusprechen und sich damit auseinanderzusetzen. Trotzdem war ich oft erstaunt und begeistert von der Lebensfreude und unglaublich großen Herzlichkeit der Menschen dort. Es würde ihnen einfach nicht gerecht werden, den Kontinent so sehr auf die Armut zu beschränken, was im Bild vieler Europäer fest eingeprägt ist. Aber um das richtig zu verstehen, muss man wohl selbst eine Reise machen auf den fernen Erdteil und sich vom Afrikareisefieber infizieren lassen.

Die ersten Tage beim deutschen Hörfunkprogramm waren wie ein Sprung ins kalte Wasser. Tag 1: Kennenlernen und zuschauen. Tag 2: Eine Sendung mitmoderieren, inklusive erstem selbstgeführte Interview. Drei Wochen später: Die zweistündige  Feierabendsendung täglich alleine vorbereiten und moderieren. Und das alles ohne Radioerfahrung – ein wahres Eldorado und zugleich eine riesige Chance für einen   Nachwuchsjournalisten.

Redaktionsalltag

Die folgenden Wochen verliefen weiter abwechslungsreich: Interviews mit namibischen Fußballgrößen, einem Reptilienforscher oder einem Naturschutzbetrieb – der Ideenvielfalt waren kaum Grenzen gesetzt. Mal auf Deutsch, mal auf Englisch, meist ziemlich spontan und aus allen denkbaren Bereichen des täglichen Lebens: Gut zwei Monate lang wurde das Feierabendmagazin so zu meinem täglichen Begleiter. Natürlich besteht eine Sendung aus weit mehr als nur aus zwei Interviews pro Tag. Der aktuelle Wetterbericht, Sportmeldungen, Geschichtliches, das Wochenquiz und die Nachrichten waren ein fester Bestandteil im Programm – und selbstverständlich auch die Musik, das Herzstück eines jeden Radiosenders, stets abgestimmt auf die Vorlieben der Hörerschaft. Ab und zu warenwir zudem auf Außenübertragungen:  Auf einer Verbrauchermesse mitten in der namibischen Hauptstadt, einem Schulbasar oder bei einem Qualifikationsspiel zur nächsten Fußballweltmeisterschaft. Neben dem Feierabendmagazin übernahm ich zeitweise die Kindersendung, sprach Werbespots ein oder betreute die Servicesendung, die Arbeitssuchenden, lokalen Veranstaltungen oder dem örtlichen Tierschutzverein eine Stimme gibt. Ab und zu forderte außerdem der ein oder andere Strom- und Internetausfall meine volle Improvisationskunst – und sollte mich zugleich daran erinnern, dass ich noch in Afrika war.

Für Langeweile oder Eintönigkeit war definitiv kein Raum in meinen vier Monaten beim Radio, und auch der Spaß kam nie zu kurz. Mit stets hilfsbereiten und lieben Kollegen an meiner Seite verflogen die Wochen rasend schnell, und auch wenn die Arbeit unter Zeitdruck manchmal anstrengend war, verging kein Tag, den ich nicht gerne im Studio 5 in Windhoek West verbracht hätte.

Abenteuer

Doch so schön die Zeit bei der NBC auch war, wollte ich natürlich etwas mehr von meinem vorübergehenden Zuhause sehen. Mit Allradwagen und Dachzelt ging ich auf Pad, wie man in Namibia sagt. Erstes Ziel waren die riesigen roten Sanddünen bei Sossusvlei. Weiter an der Küste entlang, mit Station am Brandberg und bis hoch in den Norden in den Etosha-Nationalpark führte unsere Reise. Unter anderem begleitet von Löwen, Zebras, Giraffen, Tokos und Elefanten zeigte sich die namibische Tierwelt in ihrem vollsten Glanz. Zum Schluss durfte ein mehrstündige Wanderung am Waterberg nicht fehlen. Eine zweiwöchige Tour mit Temperaturunterschieden von 30 Grad Celsius, mehrmaligem Steckenbleiben im Sand und Löwengebrüll, wenn wir nachts in unserem Zelt lagen: Ich habe viel erlebt, auch wenn ich längst nicht alles gesehen habe. Sicher ist: Ich werde das Land, die wunderbaren Menschen, die Arbeit beim Radio und so ziemlich alles in Namibia vermissen. Früher oder später werde ich zurückkommen!

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