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Affäre mit Dracula

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Vampire, sie lauern überall. In Büchern, Filmen, Serien und sogar in Werbung für Altersvorsorge. Auch der "Mieses Karma"-Autor David Safier reitet in seinem neuen Roman auf der Blutsauger-Welle. Doch die leise Hoffnung, dass "Happy Family" eine Persiflage auf den ganzen Vampirhype ist, zerschlägt sich beim Lesen schnell.

 


Verwandelt in Monster

Familie Wünschmann ist nicht glücklich. Mama Emma trauert einer verpassten Verlagskarriere hinterher, Papa Frank versauert im Büro einer Bank, Tochter Fee pubertiert und Sohn Frank ist zwar ein Klugscheißer, aber ein kleiner Schisser. Die Lage wird nicht besser, als eine Hexe die Familie in Monster verwandelt.

Als Vampirin, Frankensteins Monster, Mumie und Werwolf verfolgen sie die Zauberin in einem VW-Bus um den Globus. Unter der Extremsituation scheint Familie Wünschmann endgültig zu zerbrechen. Dann lässt sich Mama Vampir auch noch auf eine Affäre mit Graf Dracula ein. Der ist zwar ein heißblütiger Liebhaber, stellt sich aber bald als eiskalter Dr.-No-Verschnitt heraus, der die Menschheit mit einer Atombombe auslöschen möchte. Die Wünschmanns erkennen: Nur gemeinsam können sie den irren Blutsauger stoppen.


Die Suche nach dem Glück und das Finden der wahren Liebe sind die zentralen Themen in Safiers Romanen. Die hatte er in "Mieses Karma" und "Jesus liebt mich" vortrefflich umgesetzt und dabei geistreich die zentralen Aspekte von Buddhismus und Christentum eingeflochten.


Sprachlich versteht der erfolgreiche Drehbuchautor ("Berlin, Berlin", "Nikola", "Mein Leben und Ich") sowieso den Leser zu unterhalten. Sein Stil ist ironisch, wortwitzig und modern. Das ist auch in "Happy Family" nicht anders. Dass die Erzählperspektive in unregelmäßiger Reihenfolge zwischen den Familienmitgliedern wechselt, ist zunächst gewöhnungsbedürftig, hält die Geschichte aber lebendig.

 


Überhaster Schluss

Dennoch ist "Happy Family" Safiers bisher schwächster Roman. Teile der Story sind nicht mehr nur abgedreht, sondern schon schwachsinnig. Besonders zum Ende hin wirkt alles ziemlich überzogen, hinzu kommt ein überhasteter Schluss. Deswegen ist am Ende der Lektüre Familie Wünschmann zwar wieder happy, der Leser dagegen nur bedingt.

 

David Safier

Happy Family

Kindler Verlag, Reinbek

320 Seiten

18,95 Euro

 


 

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