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Männer, Wein und noch mehr Kühe

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Meist sind es Romane über Männerfreundschaften – ein gern gepflegter literarischer Topos –, bei dem dies Schlückchen mehr im Handumdrehen zu ein paar Fläschchen mehr wird. Auch Javier Fernández de Castro gönnt seinen drei Helden in seinem Roman "In Erinnerung an einen vorzüglichen Wein" viel Flüssiges in Form von schwerem Roten.


Weil der Autor Spanier ist, haben wir es natürlich mit Rioja zu tun, doch ein Selbstversuch hat gezeigt, dass sich auch ein guter Württemberger als Lektürebegleiter bestens eignet. Aber er muss wirklich gut sein, denn Javier Fernández de Castro kredenzt ein exzellentes Tröpfchen, bei dem seine drei Helden vor Ehrfurcht in die Knie gehen.

 

Leidenschaft

Sie heißen Santiago Malpás, Modesto Cumba und einfach nur F.R., sind von Beruf Verleger, Winzer und Ingenieur und teilen ihre Leidenschaft für guten Wein. Und wären da nicht die Frauen, wer weiß, vielleicht würden die Herren ja ein wunderbares Leben führen mit Bootsausflügen und dem einen oder anderen Fläschchen Wein. Da ist aber diese Kubanerin, mit der der Winzer Modesto in vierter Ehe verheiratet ist, doch jetzt ist Schluss, und alles scheint von nun an aus dem Ruder zu laufen. Modesto hat sich in eine Schäferhütte in die Berge geflüchtet, obwohl die Weinlese ansteht, und seine Kumpels solle bei der Ex ein paar Kisten abholen und zu ihm hinaufbringen. Klingt einfach, wird aber zu einer Tour de Chaos, bei der der Wein quasi zum Lebensretter avanciert. Santiago und F.R. irren mit ihrem metallic-blauen Nissan Patrol mit sechs Zylindern und großem Durst durch die Wildnis der Berge, auf der Suche nach der Hütte, und leeren dabei gegen den eigenen großen Durst und zur inneren Aufmunterung unterwegs schon ein paar Fläschchen Rioja. Eine Frage treibt sie dabei um: Was will Modesto mit dem Föhn, dem Toaster und zwei Kanistern Olivenöl, die in den Kisten stecken?

 


Abenteuerlich

Weil ein Roman über eine Männerfreundschaft auch ein bisschen etwas Abenteuerliches braucht, geraten die beiden Kistentransporteure in einen Schneesturm, zerlegen mit dem Nissan einen Stall und werden, nachdem Modesto sie gefunden hat, von einer Herde Kühe schwer in die Enge getrieben. Und was lässt sie bei all dem Trubel stets die Ruhe bewahren? Der Wein. Man wäre gerne dabei, wenn Modesto diese Flaschen entkorkt, die bisher noch niemand probiert hat. Und weil Javier Fernández de Castro ein großartiger und humorvoller Schreiber ist, wird nie ins Blaue hinein erzählt, sondern schnurgerade auf den Punkt hin mit viel Liebe zu jenen Details, die das Leben so lebenswert machen.
Tiefe Freundschaft, ein bisschen Abenteuer und viel Wein: Am Ende der Lektüre ist der hervorragende Lemberger doch tatsächlich geleert. Man sollte das Buch gleich nochmal lesen.

 

Javier Fernández de Castro

In Erinnerungen an einen vorzüglichen Wein

Verlag Klaus Wagenbach, Berlin

117 Seiten

14,90 Euro
 

 

 

 

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