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Prallelwelten

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"Seine tief eingesunkenen Augen blieben fest geschlossen. Es sah aus, als warteten die Höhlen darauf, dass Schnee fallen und sie mit seiner Weiße auffüllen würde." Nur wer mit Worten solche Bilder zeichnen kann – in diesem Fall das eines sterbenden alten Mannes, ist im Stande, im Kopf seiner Leser eine derart real anmutende Fantasiewelt wie 1Q84 zu erschaffen.

Meisterlich, wie Haruki Murakami die Fiktion unmerklich und leise in die harte Wirklichkeit der Ereignisse einfließen lässt. Verehrer meinen, der 62-jährige Japaner hätte für seine Kunst schon lange den Literaturnobelpreis verdient.


Zwei Monde

Romanheldin Aomame gelangt in die Parallelwelt des Jahres 1984 – in der plötzlich zwei Monde am Himmel stehen – über die Tokioter Stadtautobahn. Ein dringender Termin zwingt die attraktive junge Frau dazu, das Taxi und den Stau über eine Fluchttreppe zu verlassen.

So kommt sie gerade noch rechtzeitig, um ihren Auftrag auszuführen. Mit der von ihr entwickelten Technik tötet sie in einem Hotelzimmer einen Mann mit einem winzigen, unsichtbaren Nadelstich. Männer, die Frauen Gewalt angetan haben, von der Erdoberfläche zu tilgen, ist die Berufung der von Selbstdisziplin durchdrungenen Sportlehrerin.

Doch alles führt auf die eine und letzte Aufgabe hin, den Leader einer Sekte auszulöschen, der allem Anschein nach kleine Mädchen im Namen des Glaubens vergewaltigt. Sollte sie Erfolg haben, wird ihre Tat Aomame wohl selbst den Tod bringen. Denn die Little People, die unsichtbaren Herrscher über 1Q84, sehen alles, und der Leader ist ihre Verbindung in die Welt.


Zwei einsame Helden

Die Little People haben es auch auf Tengo abgesehen, den zweiten einsamen Helden des Romans, dessen Geschichte Murakami nach und nach geschickt in Aomames einflicht. Auch Tengo sieht zwei Monde. Der bislang erfolglose Schriftsteller hat die unbeholfene Romanvorlage der 17-jährigen Fukaeri umgeschrieben und "Die Puppe aus Luft" zum Bestseller gemacht. Fukaeris Wissen um die Machenschaften der Little People machen den Roman gefährlich für die Untergrundwesen, die bis zum Ende rätselhaft bleiben.

Doch in dem 1021-Seiten-Buch stecken erst Teil eins und zwei des als Trilogie angelegten Romans. Im Herbst soll Teil drei in die deutschen Buchläden kommen. Wer sich hat fesseln lassen von Murakamis Zauberwelt, der wird sich bis dahin das ein oder andere Mal ertappen, wie er des Nachts verstohlen zum Himmel blickt. Nur um sicher zu gehen, dass der Mond dort bloß ein Mal steht.


Haruki Murakami
1Q84
Dumont Verlag
1021 Seiten, 32 Euro
 
 

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