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Eine Spaßbremse

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Unverschämt unterhaltsam ist Rocko Schamonis neuer Roman "Tag der geschlossenen Tür" . Darin treffen wir seinen lethargischen Protagonisten Michael Sonntag wieder, der schon in "Sternstunden der Bedeutungslosigkeit" (2007) dem Romantitel alle Ehre gemacht hat. Sonntag tritt weiter auf der Stelle, ein bleicher Sonderling, der seinen Weltekel gewissenhaft pflegt.


Irritation und Lustlosigkeit

Einmal im Monat schreibt diese fleischgewordene Spaßbremse mit größter Lustlosigkeit eine zynisch-absurde Kolumne für ein Stadtmagazin, und heckt ansonsten abwegige Geschäftsideen mit seinem ewig betrunkenen Kumpel Novak aus. Oder er setzt sich im zerknitterten Anzug als Museumswächter in die Kunsthalle, bis die Polizei anrückt.

Der vereinsamte Sonntag protokolliert genau die Veränderungen in seinem längst chic gewordenen Hamburger Kiez, die permanente "Bespaßung" in Form von Massenevents. Da verkleidet sich Sonntag dann bei einer der zahllosen Menschenaufläufe als "psychedelischer Nazizwerg" und sorgt für reichlich Irritationen bei allen Pappnasen.

In diesen Passagen spüren wir die Wut des enttäuschten Lokalpatrioten Schamoni, und im Grunde ist sein in kurze Episoden gegliederter, sehr gut lesbarer Roman eine Art Sammlung von Kolumnen zum Zustand einer deutschen Großstadt und ihrer Bewohner.


Rocko Schamoni
Tag der geschlossenen Tür
Piper, 261 Seiten
16,95 Euro


 

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