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Das Wütende Heer

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Fred Vargas legt es wieder darauf an: Ihre Geschichte, die auf einer Legende basiert, ist derart abgedreht, dass man nur schwerlich einen halbwegs plausiblen Krimi darum herumstricken kann, und doch gewinnt sie auf ganzer Linie. Die Mesnie Hellequin, also das Wütende Heer, auch die Wilde Jagd genannt, hat wieder zugeschlagen: in Ordebec im Calvados. Was das ist?

Eine Armee von Toten aus dem 11. Jahrhundert, die alle paar Jahrzehnte durch die Wälder der Normandie reitet und dabei immer ein paar Lebende mitnimmt, allesamt Schurken, die bald nach der Jagd sterben werden. Lina Vendermot hat das Heer zufällig beobachtet, hat gesehen wie Michel Herbier mitgeschleppt wurde, und wenige Tage später ist der widerliche Kerl tot.

Kommissar Jean-Baptiste Adamsberg, der schrullige Bulle aus Paris mit einem nicht minder schrulligen Stab an Mitarbeitern, ist für die Normandie zwar nicht zuständig, nimmt den Fall als willkommene Abwechslung aber dennoch an, zumal er in einem anderen Fall nicht so recht weiterkommt.

Eine Armee der toten Reiter im Frankreich des 21. Jahrhunderts? Das wollen wir doch mal sehen, sagt sich der durch und durch rationale Adamsberg, begibt sich nach Ordebec, und wird dort mit einem wütenden Heer an Verdächtigen konfrontiert, das überaus zwielichtig erscheint. Eigentlich könnte jeder etwas mit dem Tod des unbeliebten Herbier zu tun haben. Auch mit dem von Glayeux, der wenig später in seinem Blut liegt, den Schädel von einer Axt gespalten. Auch den hatte Lina im Heer gesehen.

Zugegeben, die Krimis der 54-jährigen Französin Fred Vargas, die mit einer ordentlichen Portion Ironie geschrieben sind, spielen dauernd mit den Erwartungen des Lesers, den sie mit skurrilen Ablenkungsmanövern gern an der Nase herumführt. Bevölkert sind sie mit einem Personal, das zwar etwas abgedreht, aber dennoch glaubwürdig ist. Wer die Romane von Georges Simenon schätzt, wird auch Vargas mögen, zumal ihr Adamsberg dem legendären Kommissar Maigret immer ähnlicher wird.
 

Fred Vargas
Die Nacht des Zorns
Aufbau-Verlag, Berlin
454 Seiten, 22,99 Euro

 


 

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