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Nur ein Schritt bis zu den Vögeln

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Mit Büchern wie "Seegfrörne" (2001) und zuletzt "Usambara" (2007) hat sich Christof Hamann, 1966 am Bodensee geboren, einen Namen gemacht. Nun legt der habilitierte Literaturwissenschaftler mit "Nur ein Schritt bis zu den Vögeln" (Steidl Verlag, 176 Göttingen, 19,80 Euro) einen ebenso eindringlichen wie berührenden Roman vor.
 
Entstanden ist ein Text, der Vieles in einem ist: Eine Hommage an den See, eine Erinnerung an Kultfilme wie "Easy Rider", ein Roman über eine ungleiche Freundschaft, ein Text über das Leben, die Liebe und den Tod und nicht zuletzt ein Buch über das Schreiben.
 

Unfall am See

Der Erzähler, Stotterer Karl Notker (es gab im 9. Jahrhundert einen St. Gallener Dichter, der auch als Notker, der Stammler, bekannt war) erinnert sich an seinen besten Freund Simon Scholl. Der ist zwei Tage zuvor nachts bei den Bahngleisen am See vom Zug erfasst worden, unweit der Stelle, an der die Freundesclique in Kinderzeiten gerne Mutproben abgelegt hat. So glauben die meisten der alten Kumpels an einen Unfall. Nicht jedoch Karl und Isabelle, Simons jüngere Schwester. Sie beschimpft weinend auf dem Friedhof den toten Bruder: "So eine egoistische Drecksau. Ein Scheißkerl. Selbstsüchtig und hinterhältig, das bist du, Simon."
 
Seit den ersten Tagen als Ministranten in der kleinen Dorfkirche am Bodensee sind Simon und Karl die dicksten Freunde und zusammen "Experten für Heilige". Vor allem die Eisheiligen Pankratius, Bonifazius, Servatius und Sophie haben es ihnen angetan. Dass Simon am Festtag des heiligen Bonifazius stirbt, passt ins dichte Motivgeflecht des Textes. Leitmotivisch durchzieht denn auch der Spruch "Ein rechter Mai fürwahr, das ist der Schlüssel zum Jahr" den Roman.
 
 

Heiligen-Bücher

Während Simon in seiner Kindheit vor allem vom gerüsteten Pankratius fasziniert ist, kommt Karl auch später von seinen Heiligen nicht mehr los: Er schreibt Heiligen-Bücher. Der Porsche fahrende und schließlich ein Haus am See bauende Simon braucht stets eine "Sicherheitszone zum Überleben". Auf den Boden kommt der leergebrannte eiskalte, "eisheilige" Überflieger wie die Mauersegler nur zum Sterben.
 
Christof Haman hat mit "Nur ein Schritt bis zu den Vögeln" ein nachdenklich machendes Buch vorgelegt, wohl konstruiert und dennoch nicht eindimensional, ein stilles Buch trotz der Bewegung, wie es am Schluss heißt: "Der feine weiße Sand singt uns Lieder ins Ohr. Er erinnert fast an Schnee. Obwohl wir stillhalten, ist alles in Bewegung."
 
 
 

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