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Zeilenkrieg

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Zwei Welten prallen in Annalena McAfees Debüt aufeinander: "Zeilenkrieg" (Diogenes Verlag, 480 Seiten, 22,90 Euro) ist die Geschichte zweier Frauen, die in verschiedenen Jahrzehnten in der Zeitungsbranche arbeiten und unterschiedlicher nicht sein könnten. Honor Tait ist die Grand Dame des Journalismus, einst gefeierte Berichterstatterin in Schützengräben und dem Nachkriegseuropa. Zudem ausgesprochen attraktiv und klug, umgeben von den wichtigen Menschen ihrer Epoche. Bis ins hohe Alter hat sich die Pulitzer-Preisträgerin ihre Scharfzüngigkeit bewahrt, aber auch Hochmut und Eitelkeit gehören zu ihr wie die verstaubte Wohnung im Londoner Luxusviertel.
 
Die junge Journalistin Tamara Sim soll ein Porträt von der alten Dame schreiben. Dabei interessiert sie sich wenig für die Wahrheit und schon gar nicht für die Vergangenheit. Die Story soll vielmehr ihre Karriere ankurbeln, sie endlich auf die sonnige Seite der Fleet Street bringen. Tamara will eine Festanstellung, und sie will endlich wahrgenommen werden. Die beiden Frauen können sich nicht leiden, ihr Zusammentreffen hält beiden den Spiegel vor. Keine von ihnen kommt dabei besonders gut weg. Ihre Jagd nach Ruhm bietet der Autorin trotz der relativ holprigen Geschichte amüsante Steilvorlagen für Sarkasmus und Schonungslosigkeit.
 

Insiderwissen der Autorin

Es geht um den Alltag in den Redaktionstuben, den täglichen Kampf um Anerkennung und die Vergänglichkeit von Schlagzeilen, vor allem aber um die Selbstdarstellung ihrer Macher. Die Autorin hat selbst drei Jahrzehnte für Londoner Zeitungen geschrieben und überzeichnet ihre Erlebnisse mit bitterbösem Blick. Ihr Insiderwissen ist unterhaltsam in beide Lebensgeschichten eingeflossen. Die werden durchaus persönlich, denn jede hat Schwächen: Tamara Sim unterstützt ihren drogenabhängigen Bruder. Honor Tait hat einige dunkle Momente verdrängt und versucht, mit Schönheitsoperationen die Zeit aufzuhalten.
 
"Zeilenkrieg" spielt in einer Zeit, als mancher Journalist noch glaubten, das Internet sei eine vorübergehende Modeerscheinung. Dieser Irrtum ist umso unterhaltsamer, je wichtiger sich die Protagonisten nehmen. McAfee legt wunderbar zynisch den Finger in ihre Wunden, und zwar in jede einzelne.
 
 
 

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