Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Wenn die Fassade bröckelt

zurück zur Übersicht
Vier Männer. Im Internat waren sie Freunde, machten erfolgreich Musik, bis das Leben sie auseinanderdriften ließ. Michael, Bernd, Thomas und Wagner treffen sich nun nach 20 Jahren auf der Beerdigung ihrer ehemaligen Lehrerin wieder. Und alle vier haben sich in völlig unterschiedliche Richtungen entwickelt.
 
Das ist der Ausgangspunkt von Thommie Bayers "Vier Arten, die Liebe zu vergessen". Die männliche Nabelschau beginnt bei einem langen, gemeinsamen Wochenende in Venedig. Nach typischer Nichtkommunikation und einigen geleerten Weinflaschen bröckelt die Fassade wie der Putz der morbiden Gebäude der Lagunenstadt von den scheinbar glücklichen Gesichtern.

 

Männer mit Ecken und Kanten

Komponist Michael hat zwar Millionen auf dem Konto, will aber verhindern, dass die anderen das erfahren, um nicht aufzufallen. Thomas scheint nur der erfolgreiche Geschäftsmann zu sein. Wagner hat seine ökologische Gesinnung zum Dogma erhoben, um damit seine wahren Probleme zu verdrängen. Und Bernd hat trotz Familie nie aufgehört, so viele Frauen wie möglich aufzureißen, um dem Ernst des Lebens zu entgehen. Scheinbar unbeschwert und sehr sensibel breitet Bayer ihre Geschichten aus, überzeichnet unerbittlich die sympathischen Charaktere und lässt die Männer mit Ecken und Kanten real werden.
 
Der Roman bleibt amüsant, während die Kulisse Venedigs eine faszinierende Aura abstrahlt. Entstanden ist dadurch eine unterhaltsame Studie über die merkwürdigen Wege, die das Leben manchmal einschlägt. Ohne Garantie auf Happy End, dafür fast nebenbei mit beeindruckendem Tiefgang.
 
      
                   

Galerien

Regionale Events