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Mundtot!?

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Aufstehen, Anziehen, Zähneputzen – Dinge, die für junge Menschen eigentlich selbstverständlich sind, können für Menschen mit Behinderung zur Unmöglichkeit werden. Maria Langstroff erzählt in ihrer Autobiografie "Mundtot!? – Wie ich lernte, meine Stimme zu erheben" (Schwarzkopf & Schwarzkopf) von ihrem Leben mit Behinderung und wie es sich anfühlt, schon mit 25 bettlägerig zu sein. Aufgewachsen als quirliges Mädchen, das Leichtathletik als Leistungssport betreibt und von einem Lehramtsstudium träumt, raubt ihr eine seltene Muskelkrankheit nach und nach ihre Lebensenergie. So muss Maria schon mit 17 Jahren ein Korsett tragen und ist ab 20 auf einen Rollstuhl angewiesen.
 
Beschämt und betroffen fühlt man als Leser mit, welche Diskriminierungen das junge Mädchen im Alltag erfahren muss. Traurigkeit und Wut überkommen einen, wenn Maria erzählt, wie Jugendliche sie im Park mit Schneebällen bewerfen oder ältere Leute sie als "Krüppel" beschimpfen. Viele Menschen scheuen den Kontakt mit Behinderten und können gar nicht erahnen, welch hohe Hürden Supermarktregale oder Bahnsteige für einen Rollstuhlfahrer darstellen. Fast automatisch fragt man sich, ob man nicht selbst einmal eher weggeschaut als Hilfe geleistet hat.
 
 

Öffnet die Augen

Der Autorin gebührt großer Respekt, da sie es trotz Stimmversagen geschafft hat, ein Buch zu schreiben, um auf die Behindertenfeindlichkeit unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen. Ihr unglaublicher Lebenswille, Optimismus und Mut haben ihr geholfen, auf ihrem steinigen Weg zu bestehen und sich nicht unterkriegen zu lassen. Ihre Biografie ist schockierend und rührend zugleich und jedem zu empfehlen, der bereit ist, die Augen zu öffnen und das Leben einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen. Maria Langstroff ist definitiv nicht "mundtot" und wir sollten es auch nicht sein, wenn es darum geht, Menschen mit Behinderungen zur Seite zu stehen.
 
  

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