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Öl auf Wasser

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Wer die Figuren seines Romans einen Fluss in Afrika hinauf fahren lässt, arbeitet bewusst im Schatten des inzwischen nahezu mythischen Vorgängers "Herz der Finsternis" von Joseph Conrad aus dem Jahre 1899, jener literarischen Entlarvung des Kolonialismus, die in ihrer Radikalität erst viel später und in einer anderen Gattung von Filmemachern wie Werner Herzog und Francis Ford Coppola wieder aufgenommen und in genauso radikale Bilder übersetzt wurde.
 
Der nigerianische Schriftsteller Helon Habila setzt sich mit seinem Roman "Öl auf Wasser" nun wagemutig in diese Tradition und schickt zwei Journalisten auf der Suche nach einer von Rebellen entführten Engländerin den Niger hinauf. Wo Conrads Kapitän Marlow an den Ufern des Kongo auf die Gräuel der belgischen Kolonialherren stieß, gleiten der junge Journalist Rufus und sein großes Vorbild, der alte Starreporter Zaq, durch die sozialen und ökologischen Folgen des nigerianischen Ölbooms: zerstörte Dörfer, hohläugige Bewohner, ölverkrustete Landschaften und zwei kämpfende Parteien – die Armee und Rebellen –, die sich bei ihrem Hang zu Gewalt und Rücksichtslosigkeit in nichts nachstehen.
 
 

Gerade noch ein Krimi

Hinter der Wucht dieses apokalyptischen Szenarios schrumpft die Entführung und ihre Aufklärung zur Nebensache, und Habila ersetzt sie behutsam durch die Lebensgeschichten seiner Figuren. Ungeschoren davonkommen lässt er allerdings keinen, er bleibt rücksichtslos bis zur letzten Seite, und seine Botschaft ist klar und deutlich: So lange das Öl fließt, werden das Delta des Niger und seine Bewohner nur schwerlich eine Chance bekommen. Eine pechschwarze humane Klage, ein großer afrikanischer Roman und gerade noch ein Krimi.
 
 
 
                 

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