Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Lola Bensky

zurück zur Übersicht
Beide Frauen haben die Initialen L.B., beide haben auch viel miteinander zu tun. Stark autobiografisch gefärbt hat Lily Brett ihren Roman "Lola Bensky" (Suhrkamp Verlag, 303 Seiten, 19,95 Euro) und erzählt damit die höchst unterhaltsame Geschichte einer Australierin in England, Los Angeles und New York. In der US-Ostküstenmetropole wird sie aber erst am Ende als reife Frau sesshaft, bei der sich die psychische Belastung durch eine Unzahl von Ängsten und das Glück des literarischen Erfolgs einigermaßen die Waage halten.
 
Am Anfang, als die 19-jährige Journalistin Lola Bensky vom anderen Ende der Welt für ein australisches Rock-Magazin im London der späten 60er Jahre unterwegs ist, hat sie weder Ängste noch Geld, dafür Übergewicht, ein Problem, das sie viele Jahre beschäftigen wird. Noch mehr beschäftigt es ihre Mutter Renia, die zusammen mit Vater Edek als einzige der jüdischen Familie das KZ Auschwitz überlebt hat. Dort gab es nur eine Sorte Mensch, die übergewichtig war: die Aufseher.
 
 

Lockenwickler und Drogencocktail

Die Lebenden und die Toten: Für Lolas Dasein sind beide gleichermaßen prägend, zumal die Lebenden, die sie für ihr Magazin interviewt, oft schon wenig später zu den Toten gehören. Wie Jimi Hendrix, dieser wilde Gitarrist und feine Mensch, mit dem sie in London über Lockenwickler diskutiert. Oder der durchgeknallte Who-Schlagzeuger Keith Moon, der vor ihr die Hosen runterlässt. Janis Joplin, diese so liebenswürdige Rockröhre, die sie im kalifornischen Monterey trifft, wird wie auch Doors-Sänger Jim Morrison, der bekennt: "Ich liebe nur Gedichte. Und Satan", schon bald einem Drogencocktail zum Opfer fallen. Die dicke Mama Cass von The Mamas and the Papas oder der von Drogen dauervernebelte Brian Jones von den Rolling Stones sind weitere Rockstars, die schon bald nach dem Bensky-Interview das Zeitliche segnen.
 
 

Mick Jagger als Halt

Nur einer ist ganz am Anfang und dann wieder am Schluss, als Lola schon über 60 ist, ein selbstbewusster, quirliger, freundlicher Gesprächspartner: Mick Jagger, Sänger der Rolling Stones. Er wirkt wie eine Klammer auf dem Lebensweg der Lola Bensky. Er symbolisiert für sie die Gewissheit, dass es im Leben tatsächlich auch etwas Beständiges gibt, und wenn es nur ein Rockstar ist, der alle Höhen und Tiefen durchschritten hat – aber er lebt.
 
Angesichts so vieler Toter in Lolas Leben – Holocaust-Opfer wie auch Rockstars – ist es mehr als erstaunlich, dass Lily Brett ein derart humorvoller, mitunter skurriler Roman gelungen ist. Selbstironie ist das große Markenzeichen der heute 66-Jährigen, die 2006 mit "Chuzpe" ein umwerfend komisches, ebenfalls stark autobiografisches Buch vorgelegt hat, in dem Vater Edek die Hauptrolle spielte. "Lola Bensky" kreist ganz um das Erbe von Edek und Renia: Es sind die Schuldgefühle der Holocaust-Überlebenden, die auch die Generation der Kinder nicht loslassen. Die Ängste und Neurosen der Lola Bensky machen ihr Leben bei aller Leichtigkeit in Zeiten der wilden Jugendkultur zu einer Herausforderung, die gemeistert werden will. Und sie scheint es geschafft zu haben.
 
 

Galerien

Regionale Events

Würth feiert Jubiläum

Würth feiert 2020 Jubiläum mit den Würth Philharmoniker, Open Air und einem Tag der offenen Tür.