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Auf der Flucht

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Er träumt vom Idyll, von unberührter Landschaft, von umwerfenden Naturfotos – und gerät in die Hölle. Remington James, Werbefachmann und Hobbyfotograf, ist unterwegs in den Wäldern von Florida, wo er Kameras deponiert hat, die Fotos per Selbstauslöser schießen, sobald sich etwas bewegt.
 
Und tatsächlich hat sich etwas bewegt: ein Mann, der eine Frau tötet, und Remington hat die Tat auf dem Chip. Doch liegt sie erst wenige Minuten zurück, weshalb der Mörder sich noch in der Gegend herumtreibt. Remington spürt ihn auf, fotografiert ihn – und wird dabei vom Killer entdeckt. Und schon beginnt eine Jagd auf Leben und Tod. Die Chancen für den Zeugen stehen schlecht, denn der Killer ist nicht allein im Wald, und Remingtons Fahrzeug ist verdammt weit weg. Aber vielleicht kommt er ja durch bis zum Apalachicola-River, der die Rettung bedeutet.
 

Gehetztes Stakkato

Michael Lister hat mit "Selbstauslöser" keinen Thriller der klassischen Art geschrieben, trotz der enormen Spannung, die die Geschichte entwickelt. Lister geht es nicht um die Tat, sondern um seinen verzweifelten Helden, der auf der Flucht beginnt, über sein Leben zu reflektieren. In einer Sprache, oft im gehetzten Stakkato, mitunter sogar bruchstückhaft einzelne Wörter aneinanderreihend – "Sonnenschein. Lesen. Schwimmen. Tanzen. Sex. Essen. Lange aufbleiben. Ausschlafen" –, die ihre Geschichte kongenial erzählt, hetzt Lister, der in seiner Heimat Florida ein vielgelesener Autor ist, seinen Helden durch die sumpfigen Wälder, immer die Verfolger im Nacken.
 
Und der Leser folgt ihm atemlos auf seiner Flucht, bei der ihm irgendwann die Erkenntnis kommt: "Memento mori. Bedenke, dass du sterblich bist. Bedenke, dass du stirbst. Die Frage ist nicht, ob, sondern wann." Und so kämpft Remington James sich durch das Dickicht, ausgestattet mit der vagen Hoffnung, dem Unausweichlichen vielleicht doch zu entkommen. Ein großartiger Thriller.
 
   

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