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Unter Totgeweihten

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James Sallis schreibt Krimis, sicher. Der 1944 in Arkansas geborene Literaturwissenschaftler, der in Phoenix/Arizona lebt, schreibt aber eigentlich als Krimi getarnte hochliterarische Romane über Leben und Sterben, Freundschaft, Verlust und vor allem Einsamkeit.

Von einer virtuosen Sprache, die drei Erzählebenen kunstvoll und dialogsicher miteinander verwebt, lebt auch der ebenso spannende wie verstörend-mysteriöse Roman "Der Killer stirbt", in dem nichts so ist wie es zu sein scheint.

 

Dritte Erzählebene

Der Killer Christian, der die meiste Lebenszeit in schäbigen Motels zugebracht hat, ist todkrank und erhält einen letzte Auftrag. Er soll einen unscheinbaren Buchhalter vom Leben in den Tod befördern. Nach alter Killermanier späht er sein Opfer aus, um dann festzustellen, dass ihm ein anderer zuvorgekommen ist. Der Buchhalter überlebt den Anschlag, liegt schwerverletzt in einer Klinik. Doch warum hat der Killerkonkurrent diese verhältnismäßig leichte Aufgabe vergeigt? Die Polizei stochert im Nebel. Da nimmt der todkranke Christian heimlich Kontakt zur Polizei auf und macht eine furchtbare Entdeckung.

Die dritte Erzählebene widmet Sallis einem kleinen Jungen namens Jimmie, der von seinen Eltern verlassen wurde und in Chatrooms Trost sucht. Jimmie plagen schreckliche Alpträume: Alpträume eines Vietnamveteranen, Alpträume eines Auftragskillers...

 

Düstere Farben

Sallis hat mit dem sterbenen Killer eine Figur geschaffen, die es so im Kriminalroman wohl vorher nie gegeben hat. Er hält die undurchsichtige Szenerie wunderbar in der Schwebe, baut ebenso knallharte wie melancholische Details aus Vergangenheit und Gegenwart der beiden Cops, des Killers und des Jungen ein und erweckt trotz allem nachtschwarzen Realismus beim Leser den Eindruck, als spiele sich die Geschichte in den Köpfen der Beteiligten ab, nicht im staubig-heißen Phoenix/Arizona.

James Sallis hantiert wie schon in "Driver" oder "Deine Augen hat der Tod" souverän mit den Versatzstücken des Genres und taucht sein Lieblingsthema, das einsame Ringen des Mannes mit den Schatten der Vergangenheit, in düstere Farben. Wer eigentlich Jäger und wer Gejagter ist, verschwimmt in dieser Welt der Todgeweihten immer mehr.
 

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