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Der Spieler

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Udo Berger ist ein fanatischer Spieler, der selbst in seinem Urlaub an der Costa Brava "Das Dritte Reich" spielt. Ein Spiel, das die Etappen des Zweiten Weltkriegs simuliert, aber auch eine Umkehrung der Ereignisse erlaubt. Berger lebt in der Welt der Wargames: Zeitschriften, Wettkämpfe, Ortsgruppen gehören dazu. Mit Fachartikeln verdient sich der "Dritte-Reich"-Landesmeister Anerkennung in seinen Kreisen, doch er fühlt sich zu anderem berufen.
 
Die Höhenflüge der deutschen Literatur will er erkunden. Deshalb übt er sich im Beobachten, Notieren und im Tagebuchschreiben, und in genau dieser Form schiebt Roberto Bolaño den Leser vor sich her, durch diesen merkwürdigen Spanienurlaub des Spielers.
 

Zwischen Spielzügen und Tagebucheinträgen

Nicht lange ist der Deutsche allein. Gemeinsam mit seiner Freundin lernt er ein Paar, Landsleute, kennen und tingelt mit ihnen durch Diskotheken. Der Typ, Charly, kehrt jedoch von einem Surftrip nicht mehr zurück. Dann ist an Bergers Seite bald ein unheimlicher, verunstalteter Mann, der "Verbrannte", der Touristen mit Tretbooten versorgt. Ein Südamerikaner, der gefoltert wurde?
 
Tag für Tag schreibt Berger Tagebuch, Tag für Tag versinkt er mehr in seinem Spiel, bei dem sich sein mysteriöser Mitspieler, im Spiel die Rolle der Alliierten einnehmend, schließlich in einen Gegner verwandelt. "Um was spielen wir? Fragte ich. Spielen wir um die deutsche Meisterschaft oder die spanische? Um das Einzige, was zählt, sagte der Verbrannte. Das Leben."
 
Zum Glück ist das Erstlingswerk des großen chilenischen Erzählers Roberto Bolaño jetzt ins Deutsche übersetzt. Wie im 1100-Seiten-Wälzer "2666" sucht der vor neun Jahren verstorbene Schriftsteller auch hier wieder zwischen den Wurzeln des Bösen nach dessen Nährstoffen.
 

Gefährliches Spiel

Bei Udo Berger herrscht eine Mischung aus innerer Leere und Naivität. Er verliert sich zwischen den Hexagonen eines Spielbretts, der Landkarte des Weltkriegs, und 500 Spielmärkchen. Und glaubt, es gehe beim "Dritten Reich" darum, neue Schachzüge zwischen Nazi-Deutschland und den Alliierten auszutüfteln und mit leichtem Gestus die geerbte Schuld in die Waagschale zu werfen. Zwischen dem "Verbrannten" und dem Deutschen entwickelt sich eine nervenaufreibende Situation. Längst hat sich der Urlauber in eine Position schieben lassen, die er im Fieberwahn nicht mehr verlassen kann.
 
Wer das Reich von Bolaño kennenlernen will, für den ist dieser Roman wie eine weit geöffnete Pforte. Aber Vorsicht! Auch der Autor ist ein Spieler. Den Leser schleppt er mal hier hin, mal dort. Zeigt auf dieses und jenes, bis klar wird: Die Geschichte schreibt jemand anderes.
 
     

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