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Der Tod von Sweet Mister

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Shug ist dreizehn, und sein Vater Red, ein von Drogen an den Rand der Unberechenbarkeit getriebener Psychopath, schickt ihn zum Klauen Dachrinnen hoch. Seine Mutter ist eine schöne Wildblume, und eines Tages kommt ein wiesliger Koch mit einem schicken Auto und macht sich an sie ran. Das kann nicht gutgehen, Shug weiß das, aber als er später, am Schluss dieser kruden Geschichte aus dem wilden Missouri der fünfziger Jahre mit seiner geliebten Ma auf der Veranda vor dem Haus sitzt, ist alles vorbei.
 
Zwischen der Dachrinnenkletterei und der Veranda zieht uns Daniel Woodrell, ein moderner amerikanischer Heimatschriftsteller, der vor zwei Jahren mit "Winters Knochen" bei Fans und Kritik beachtlichen Erfolg hatte, in seinem Roman "Der Tod von Sweet Mister" in die sozialen Sümpfe dessen hinein, was er selber mit Country Noir nur unzulänglich benennen konnte: die kleinen Händel und großen Sehnsüchte eines Hinterwäldler-Soziotops weit draußen in den bewaldeten Hügeln der Ozark-Mountains.
 
 

Die Regeln der sozialen Unterschicht

Dort, wo man so schnell mit der Obrigkeit nicht rechnen muss und daher seine eigenen Regeln macht, die sich mit denen in New York oder Chicago nur teilweise decken, ansonsten aber auf das Recht des Stärkeren hinauslaufen. Es gibt dort allerdings nicht viel zu holen, die Händel beschränken sich auf Diebstahl, Eifersucht und Kneipenschlägereien, wobei der verrückte Red an allem seinen Anteil hat.
 
Woodrell macht daraus gekonnt ein bittersüßes und sexy Melodram aus dem Blickwinkel eines zu dick geratenen Jungen, der zum Schluss wie der sichere Sieger aussieht. Aber was heißt hier draußen schon Sieger? Durchhalten ist alles, und am Ende – "So waren die Sonnenaufgänge für sie und mich nie wieder" – nagt auch auf der Veranda der Skeptizismus.
 
 
      

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