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Brutales Idyll

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Ein feines Sanatorium für Gutbetuchte soll es angeblich sein, doch was Daniel in diesem Schweizer Idyll findet, ist die Hölle. "Himmelstal" heißt die Gegend wie auch der Krimi der Schwedin Marie Hermanson, der uns zunächst eine Thomas Mann’sche "Zauberberg"-Atmosphäre vorgaukelt, doch diese Fassade bröckelt schnell. Daniel ist aus Schweden angereist, um seinen Zwillingsbruder Max zu besuchen, der dort ein Burn-out-Syndrom auskuriert. Nur kurz will er bleiben, doch es werden Monate daraus, denn Max macht sich aus dem Staub mit der Bitte, Daniel, möge ihn hier für ein paar Tage vertreten.

 

Keine Wehwechen

Als Max nicht zurückkehrt und Daniel endlich wieder weg will, hält man ihn für seinen Bruder und lässt ihn nicht ziehen, denn in Wahrheit ist das ganze Tal ein Hochsicherheitstrakt. Doch warum? Daniel versucht verzweifelt, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Nur eines ist recht schnell klar: Die Patienten leiden nicht unter irgendwelchen Wehwehchen, ihre Anwesenheit hat handfestere Gründe. Und fast jeden Tag passiert irgendeine andere Fürchterlichkeit.

Die Atmosphäre, die Marie Hermanson in "Himmelstal" entwickelt, ist klaustrophobisch und wird von Tag zu Tag düsterer. Wie man Spannung erzeugt, weiß die 56-Jährige ganz genau – und dreht von Seite zu Seite immer gnadenloser an der Schraube. Erzählerisch ist es ein Krimi der fesselnden Art, doch psychologisch ist er nicht allzu raffiniert gestrickt. Dennoch ist ihr mit "Himmelstal" ein Krimi gelungen, der seine Geschichte, die zunehmend brutaler und gruseliger wird, zwar behutsam aber doch beharrlich vorantreibt. Nur: Am Ende ist ihr Pulver verschossen, und ein mitreißender Schluss bleibt dem Roman versagt. Schade. Trotzdem ist er lesenswert.

 

Marie Hermanson

Himmelstal

Insel Verlag, Berlin

428 Seiten, 14,99 Euro

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