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Streaming zum Mitreden - Schwule ARD-Serie «All You Need»

Abseits der heterosexuellen Norm

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Es ging als Skandal in die TV-Geschichte ein. Am 25. März 1990 wurde in der „Lindenstraße“ zum ersten Mal in einer deutschen Mainstream-Serie gezeigt, wie sich zwei schwule Menschen küssen. In der Boulevard-Presse und vor allem im konservativen Bayern folgte ein Aufschrei der Empörung. Heute ist das anders, homosexuelle Charaktere treten in fast allen bedeutenden TV-Serien auf. Trotzdem werden Homosexuelle oftmals stereotypisch dargestellt, kommen mit Klischees gespickt wie ein Paradiesvogel daher oder sind Beiwerk für vermeintliche Offenheit oder Diversität. Nun wagt sich die fünfteilige Miniserie „All You Need“ als erste öffentlich-rechtliche Produktion (zu sehen in der ARD-Mediathek) daran, die Lebensrealität von schwulen Paaren in einer Großstadt möglichst facettenreich zu beleuchten. Was der Produktion gelingt. 

Outing

Im Fokus stehen dabei zwei schwule junge Paare aus Berlin und ihr Umfeld. Zum einen der bindungsscheue Medizinstudent Vince (Benito Bause), der die meiste Zeit mit Dating-Apps und auf Partys in Nachtclubs verbringt. Nach einem One-Night-Stand mit dem arbeitssuchenden Robbie (Frédéric Brossier) möchte er eine ernsthafte Beziehung führen. Das gestaltet sich nicht immer einfach. Und dann wäre da noch Levo (Arash Marandi), einstiger Mitbewohner von Vince, der seit einiger Zeit mit Tom (Mads Hjulmand) zusammen ist, ein ehemaliger Familienvater, der sich nach seinem Outing noch an seine komplett neue Lebenssituation gewöhnen muss und den nach 20 Jahren Ehe ein schlechtes Gewissen gegenüber seiner Ex-Frau und seinem Sohn plagt. Abgerundet und zusammengehalten wird die Clique von der mit den Pärchen befreundeten Sarina (Christin Nichols). 

Alltagsrassismus

Der große Vorteil der Serie von Regisseur Benjamin Gutsche ist die kluge, humorvolle und unaufgeregte Erzählweise. Als Zuschauer ist man nah an den Figuren dran, die so tiefgründig sind, dass manch schrilles oder klischeehaft exzentrisches Verhalten nicht weiter ins Gewicht fällt. Die Produktion ist herrlich freizügig, zeigt intensive Sexszenen ohne jemals plump oder billig zu wirken. Der Plot beschränkt sich nicht nur auf Freundschaft, Liebe, Freiheit und Lust, sondern nimmt auch Themen wie soziale Herkunft, klassische Rollenbilder oder Alltagsrassismus ins Visier. Protagonist Vince ist nämlich nicht nur schwul, sondern auch schwarz. Über allem steht die oft schwere Last, die eigene Sexualität auch in der so weltoffenen Großstadt nur heimlich ausleben zu können. Das bietet viel erzählerisches Potenzial. Gut, dass eine zweite Staffel der Serie in Planung ist. 

,,All You Need'' hat 5 Folgen mit jeweils 25 Minuten Spielzeit. Die Miniserie ist bis zum 7. November in der ARD-Mediathek aufrufbar.

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