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Mare of Easttown - S1

Aus der düsteren Ecke der USA

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An den meisten anderen Orten, so erklärt Mare Sheehan dem zugezogenen Typen an der Bar, der sie gerade anflirtet, wäre jener Wurf keine große Sache gewesen, hier in Easttown, einem Vorort von Philadelphia, war er es aber schon. Vor 25 Jahren landete die ehemalige Basketball-Spielerin für ihr Highschool-Team den entscheidenden Treffer, sicherte den Hawks damit die Meisterschaft des Bundesstaates Pennsylvania. Zum Jahrestag bringt die Lokalzeitung nun einen großen Artikel, in der Sporthalle wird gefeiert. Die griesgrämige Polizistin, die von vielen nur Lady Hawk genannt wird, will davon aber nichts wissen, sie hat gerade ganz andere Probleme. Ihr Ex-Mann verlobt sich neu, ein Sorgerechtsstreit mit ihrer suchtkranken Schwiegertochter um den Enkel steht ins Haus und vor einem Jahr verschwand ein junges Mädchen spurlos. Dann wird auch noch eine minderjährige Mutter ermordet aufgefunden.

Düster

Die HBO-Serie „Mare of Easttown“, die ab heute auf Sky abrufbar ist, beginnt im wahrsten Sinne des Wortes derart düster, dass man nach dem Regler für die Bildschirmhelligkeit sucht. Mit fahlem Licht leuchtet Regisseur Craig Zobel sieben Folgen lang in die Arbeiterklasse von Delaware County hinein, die von Drogen- und Alkoholmissbrauch, Krankheit und Selbstmord sowie nicht zuletzt dem Vermissten- und Mordfall schwer durchgeschüttelt wird. Ihre Mienen über die Jahre verhärtet, rackern sich die Erwachsenen hier im Osten der USA ab, damit die Familie abends eine Fertigmahlzeit in der Mikrowelle aufwärmen kann und der Energieversorger nicht das Gas abdreht. Das Band zwischen ihnen und ihren Kindern ist längst gerissen, weil die Eltern mit ihnen überfordert sind oder sie von sich stoßen, weg von hier, irgendwohin, wo sie es hoffentlich einmal besser haben werden.

US-Medien waren von der Akkuratesse begeistert, mit der „Mare of Easttown“ diese Region sowie ihre Menschen abbildet und die britische Schauspielerin Kate Winslet den dortigen Akzent trifft. In der Rolle der Mare Sheehan liefert die Oscarpreisträgerin ohne Frage einen beeindruckenden Auftritt ab. Mit Karohemd, Jeans und Flüchen auf den Lippen versieht Polizistin Mare in ihrem Heimatstädtchen ihren Dienst, lässt dabei niemanden zu nah an sich heran. Fragwürdig ist ihr Bier- und E-Zigaretten-Konsum, illegal ist das Mittel, mit dem Mare um den Enkelsohn kämpft, der mit ihr, ihrer Tochter und ihrer Mutter unter einem Dach lebt. Von verschiedenen Seiten unter Druck gesetzt, beginnt die emotionale Schutzmauer der geschiedenen Mittvierzigerin zu bröckeln, was den Blick auf nicht nur eine unverarbeitete familiäre Tragödie freilegt.

Besetzung

Fast wäre „Mare of Easttown“ eine One-Woman-Show, gäbe es da nicht noch Guy Pearce als ergrauten College-Lehrer Richard, der mit Mare wunderbar unaufgeregt anbandelt, Jean Smart als Mares Mutter Helen, die durch eine überraschende Enthüllung während einer Beerdigungsfeier bei Mare (und dem Zuschauer) unfreiwillig für einen grandiosen Lacher sorgt, und Evan Peters als Mares neuer Partner Colin, dem man seinen Rausch in einer mit „Mr. Brightside“ von The Killers melancholisch unterlegten Barszene eins zu eins abnimmt. 
Weil in Easttown jeder mit jedem verwandt oder in Freundschaft verbunden ist, kennt auch Mare sowohl die Opfer als auch die Verdächtigen. Von denen werden im Verlauf der Serie reihum übrigens einige präsentiert. Wie ein Verbrechen die großen und kleinen Sünden eines kleinstädtischen Kosmos offenlegt und die engen Beziehungen einem Belastungstest unterzieht, haben zwar schon die britischen Produktionen „Broadchurch“ und „Happy Valley“ vorgeführt. Und allein wegen des Krimiplots wäre „Mare of Easttown“ daher keine große Sache. Wegen der präzisen Milieustudie und dem plastischen Charakterporträt ist sie es aber schon.

Die  Serie ,,Mare of Easttown'' hat  sieben Folgen, mit  jeweils circa 60 Minuten und ist ab heute auf Sky abrufbar.

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